Buch 
Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
Entstehung
Seite
434
JPEG-Download
 

434

Gewalztes Spiegelglas:

Anstalt, zunächst gegen eine Rente von 120 000 Fr., später käuflich I. Stolbcrg,wohin dann auch die Schleifereien rc. verlegt wurden, wie Waldhof, sind unterdcßbedeutend erweitert, und, in jeder Beziehung mustergiltig ausgestattet, stehen sieden auf französischem Boden belcgenenSchwestcrfabriken der8ooisbs anon^msäs 8t. Oobaill, st Oirs^, deren Centralvcrwaltung in Paris ihren

Sitz hat, ebenbürtig zur Seite.

Neben den genannten beiden Anstalten tragen dann noch die Fredener Hütte(Prov. Hannover) der unter ihrem Director Dr. Fr. Koch zu derDeutschenSpiegclglas-Acticn-Gcscllschaft" erweiterten, früheren Spicgclfabrik Grü-nenplan, und die ebenfalls einer Actiengcsellschaft gehörigeSchlcsische Spie-gelglas-Manufactur" zu Ober-Sälzbrunn bei Altwasser, wenn auch in be-schränkterem Maße, als die früher genannten Fabriken, zur deutschen Spiegel-glasproduction ihr Contingent bei.

Die Nürnberg-Fürthcr Spicgelmanufactur, die nach Leng^) ver-triebenen katholischen Engländern, welche zu Anfang des vorigen Jahrhundertsdie Hammerwerke an der Pegnitz zum Folicnschlagcn benutzten, bald dann auchSchleif- und Polirmühlen anlegten, ihre Entstehung verdankt, beschäftigt sich, so großihre commerciclle Bedeutung (der Absatzwerth betrug nach Becg 1857 2 790000 fl.und wirft 1590000 fl. für Verarbeitung und Reingewinn akE), ausschließlich mitder Verarbeitung anderweitig gegossenen, so belgischen Glases. Hier in Fürthhat die zuerst 1843 von Drayton an Stelle der Quecksilberbclcge aufgebrachteVersilberung des Glases, behufs seiner Verwandlung in einen Spiegel, vorzüg-lich Boden gewonnen, und zeichneten sich, durch ihr in dieser Weise hergestelltesProduct, bereits auf der Weltausstellung zu Paris die Fürthcr Firmen O. Fischerund Chr. Winkler u. Sohn vorthcilhaft ausH.

Spicgelfabriken im eigenen Lande zu besitzen, war, wie wir gesehen, eineSpecialliebhaberei gekrönter Häupter; so finden wir eine solche durch Peter denGroßen angelegt, auch in St. Petersburg in voller Thätigkeit. Als kaiserlicheGußfabrik war diese Anstalt nach L eng °) später ausgezeichnet eingerichtet und lieferteGläser von vorzüglicher Güte, die sich mit den ausländischen in jeder Hinsichtmessen konnten. Gegen Mitte unseres Jahrhunderts stellte diese Fabrik indeß ihreThätigkeit ein. 1866 ging die Amelung'sche Spiegclfabrik bei Dorpatzum Guß über, wobei sie nach englischem Muster eingerichtet wurde; ein paarJahre darauf folgte dann auch die bis dahin wie letztere nur geblasenes Glasliefernde Smoljaninow'sche Hütte Kiritz, im Rjäsanschen Gouvernement, indie neue Bahn.

Ueber die Zusammensetzung der ältesten gegossenen Gläser der 8ooisbsäs 8k. dolmin lassen sich nicht mehr als bloße Vermuthungen hegen, wurde dochbei ihrer Herstellung, wie zu damaliger Zeit zur Herstellung der französischen

I Beeg's bereits citirte histor. Notizen über die Spiegelgußfabrikation. Wagner'sJahresbericht 3 (1857), (.95, nach Fürther Gewerbeztg. 1857, S. 69. 2 ) Leng,Glasfabrikation, S. 565. 3) Beeg, Statist. Nachr. über die Fürther Spiegelmanu-factur. Wagner's Jahresbericht 3 (1867), 197, nach Fürther Gewerbeztg. 1857, S. 61. 4) Wagner, Technologische Studien (Leipzig, Wigand, 1862), S. 164. ^ Leng:Glasfabrikation, S. 677.