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Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
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Gewalztes Spiegelglas.

Antrage wurde die Genehmigung damals noch versagt. Doch nachdem 1831 dieFabrik von Neuhaus nach Schlögelmühl bei Gloggnitz (Niederösterreich) verlegtworden, da allmälig eingetretener Holz- und Wassermangel die Fortexistenz amalten Orte unmöglich machte, sah sich der österreichische Staat, da auch zuSchlögcl-mühl nichts verdient wurde, endlich im Jahre 1840 veranlaßt, die Gießereigänzlich eingehen zu lassen. Jetzt begann die Privatindustrie, vornehmlich imböhmisch-bayerischen Walde, mit dem Guß zu experimentiren. Schon 1834 hattenG. C. Abele's Söhne auf ihrer Fabrik zu Deffernik in Böhmen den Gußeingeführt, seit 1842 dann auch zu Neuhurkenthal hiemit begonnen; ungeachtetverdienstlicher Leistungen der neuen Anstalten mußten die Besitzer dieselben aberbereits 1844 aufgeben. Auch Peter Ziegler, der auf seiner, sich eines sicherenRufes erfreuenden Spicgelfabrik zu Elisenthal auf Erzeugung gewalzten Glasesübergegangen war, und dessen technische Erfolge bei der großen Energie, mit dersich der Besitzer der Sache widmete, recht befriedigende gewesen waren, sah sich,aus Mangel an Capital, genöthigt, seine Fabrikation 1870 wieder eingehen zulassen i).

Erst die 1869 von Andreas Ziegler's Sohn zu Stankau bei Bischof-teinitz in Böhmen gegründete Gießerei scheint sich nunmehr lebenskräftig erweisenzu wollen, wenigstens ist ihr Product, das sie in einem Ofen mit Siemens'schcrRegenerativ-Gas-Fcuerung herstellt, ein in jeder Beziehung recht befriedigendes,wenn es auch dem immer noch besten der verschiedenen Gießereien der Gesellschaftvon St. Gobain nicht ganz gleich gestellt werden kann. Neben Spiegelglas liefertdiese Firma, auf einer anderen ihr gehörigen Hütte, der Sophienhütte beiKlcntsch, Rauhglas, von bis 25 mm Dicke, das, nach den in Wien seiner Zeitausgestellt gewesenen Proben zu urtheilen, sehr preiswürdig ist.

Kehren wir nach dieser, durch die frühere Stellung Oesterreichs zum DeutschenReiche bedingt gewesene Abschweifung, zu der Entwickelung der Glasindustrie aufdeutschem Boden zurück, so wurde schon a. a. O. (S. 421) erwähnt, daß auchdie Hütte zu Grünenplan ihrer Zeit Versuche dieser Art gemacht, die aberdamals ohne Erfolg blieben. Ohne dauernden Erfolg waren ebenso die wieder-holten früheren Versuche den Spiegelguß zu Neustadt a/D. einzuführen.

1852 entsteht, gegründet namentlich durch französische Capitalistcn, dieAachener Spiegelsabrik, deren Gießerei zu Müusterbusch bei dem nahe beiAachen gelegenen Stolberg eingerichtet wurde, während Schleifereien, Polirenund Hauptverwaltung in Aachen selbst lagen. Als Concurrenzfabrik für dieseneue deutsche Anstalt eröffnet dann, ein Jahr später, die Gesellschaft von St. Gobaineine Filialanstalt zu Wald Hof bei Mannheim und begannen beide Fabriken, ingroßem Maßstabe angelegt, rasch zu arbeiten. Die Aachener Fabrik, deren Actienunterdcß zum größten Theile in deutsche Hände übergegangen waren, erwies sichals der mit enormen Mitteln arbeitenden Concurrenz St. Gobains nicht gewach-sen, die Gesellschaft war 1856 bereits zur Liquidation gezwungen, und nun über-nahm die Gesellschaft von St. Gobain-Mannhcim auch die Aachcn-Stolberger

si Lobmayr: Die Glasindustrie.

Glasfabrikation.

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