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Das Gießen und Walzen des Spiegelglases.
in den Kühlofen benutzte Krücke gegen die noch am wenigsten erhärtete Partie desGlases gestützt werden mußte.
Sollte das hierbei nur allzuleicht erfolgende Sichzusammenschicben des weichenEndes der Glastafel vermieden werden, so mußte das Auswalzen derselben vondem vom Kühlofen abgewandten Ende des Meßtisches beginnen, um solches zuermöglichen, aber eine Einrichtung getroffen werden, bei der, über die unter dasNiveau des Meßtisches herabsinkende Walze eine zeitweilige, ebene Ueberbrückunggelegt wurde, über welche das hinüberzuschiebende Glas, vom Meßtische kommend,hingleiten, und so in den Kühlofen gelangen konnte; oder aber, die Walze mußte,sobald sie außer Function gelangt, auf einen eigens hierzu Angeschobenen Walzen-wagen, aus der unmittelbaren Nähe des Tisches entfernt, und an die Stelle desWalzenwagens ein, den Raum zwischen Tisch und Kühlofen ausfüllender Zwischen-wagcn mit ebener Platte, die dann gewissermaßen als Verlängerung des Meß-tisches bis zum Kühlofen diente, Angeschoben werden. Eine trotz des kleinen Maß-stabes recht klare Skizze dieser letzten Disposition, als der am häufigsten benutzten,gab Psligot in seinem „Darms Iszons snr I'art cks In vsrrsris" ^), nach Zeich-nungen Valerio's, früheren Directors der Aachener Spicgelfabrik 2 ).
Den im Vorstehenden gebotenen, im Maßstabe von 1 om — 1 m aufge-nommenen Abbildungen (Fig. 189 und 190) liegt eine ähnliche Anordnung zuGrunde. Die Walze L ruht hier auf dem vom Kühlofen abgewandten Ende desMeßtisches D der, auf Rädern ruhend, auf einem Schienengleise hm- und hergeschobenwerden kann. Vor dem Meßtische steht der Walzenwagen F', von dessen mitKurbel versehenen, seitlich angebrachten Kettentrommeln, an jeder Seite des Tischeseine in unserer Zeichnung schlaff herabhängende Kette, die bestimmt ist, die Walze,wenn erforderlich, in der Richtung auf den Wagen zu heranzuziehen, zu letztererhinüberreicht. Der Zwischenraum zwischenund 2^ ist, damit die Walze leicht überihn hinwegkomme, durch ein paar in Charnieren bewegliche, kleine, starke Klappen,deren freie Enden sich auf feste an den Tisch angeschraubte kurze Winkeleisen auf-stützen, überbrückt. Zwischen dem Walzenwagen und dem Kühlofen steht endlich,wieder auf eigenem Gleise, der Zwischenwagen A, mit der in unseren Abbil-dungen in die Höhe geschlagenen, aus starkem Eisenbleche gesertigtenFallbrücke//,die nach Entfernung des Walzenwagens herabgelassen wird und, sich dann aus dieeben erwähnten Winkeleisen am Meßtische aufstützend, ein Hinüberschieben derGlastafel von D über // und tr auf die Sohle des Kühlofcns I ermöglicht. DieseDisposition gewährt den Vortheil, daß nur einer der immerhin nicht leichten Wagenzu verschieben ist, somit zu einer Zeit, wo das Hüttenpersonal ohnehin schon vollin Anspruch genommen, an Arbeit gespart wird.
Wird, wie in der unseren Skizzen zu Grunde liegenden Einrichtung, an Stelledes in England noch vielfach gebräuchlichen festen Krahns ein mit seinem Wagenauf einem Schienengleise beweglicher verwandt, welcher derartig abbalancirt ist,daß er, mit vollem Hafen belastet, vor dem Umschlagen sicher, so ist ein besonderer
H Lnuatss cku Oonssrv. 2 (1862), 495. — 2 ) IMiistris clss (Hasss, in Rsvusnnivsi-8stls ckss inins8, äs ts. iLstaltni'Zlo sto. äiriAss xar äs On^xsr, 1857 Juliund 1859 Januar.