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Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
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Das Kühlen des gewalzten Spiegelglases.

Rand der Tafel sich bequem «anschiebt. Da das Abschieben des großen Glasesvon der Platte einen nicht unbedeutenden Kraftaufwand erfordert, fassen zu jeder

Fig. 193.

Seite mehrere Mann das quer über den Gießtisch gerichtete, die Breite des letzterenweit überragende, in unserer Abbildung beiderseitig abgebrochene Holz, mit dem dieEinschiebekrücke durch zwei starke Arme verbunden ist, und, auf ein gegebenesZeichen des Hüttenmeisters, der darauf gewartet, daß auch das vordere Ende derGlastafel so weit erhärtet, daß es sich nicht mehr verbiegt, schieben sie die Glastafelnunmehr rasch über den Zwischenwagen hin auf die Sohle des Kühlofens hinüber,auf der es dann, wie bei dem älteren Gußverfahren, mittelst langstieliger eisernerKrücken an den Platz, auf dein liegend es allmälig kühlen soll, hingeschafft wird.

Wie aus dem Vorstehenden ersichtlich, ist die Technik des Gießens oder Wal-zens eine im Ganzen sehr einfache; was ihre Ausführung erschwert, ist, daß, unge-achtet mit großen Massen gearbeitet wird, die nur durch das Zusammenwirkeneines großen Arbeiterpersonals bewältigt werden können, alle Operationen, derrasch eintretenden Abkühlung der Glasmasse wegen, in möglichst kurzer Zeit aus-geführt werden müssen, und daher die größte Präcision und ein corrcctes Inein-andergreifen der einzelnen Operationen unerläßliche Vorbedingung des Gelingens ist.Auf keiner anderen Glasfabrik ist daher ein, durch lange Uebung im Zusammen-arbeiten, an einander gewöhntes, zuverlässiges Arbeiterpersonal so sehr oonäitiosins gna non, als auf der Gießerei, und erklären sich schon hieraus die unsäglichenSchwierigkeiten, mit denen fast jede neu ins Leben tretende solche Anstalt anfangs.zu kämpfen gehabt hat.

Die Kühlöfcn der Fabriken für gewalztes Spiegelglas unterschieden sich anfangsvon denen für geblasene Spiegel größerer Dimensionen, welch letztere ja ebenfallsauf der Ofensohle liegend den Kühlproceß durchzumachen hatten, nicht, und auchheutigen Tages sehen sie ihren Voreltern noch sehr ähnlich und sind nichts Ande-res, als möglichst flach überwölbte, weite Flammöfen mit ebener Sohle.

Die größten Schwierigkeiten stellten sich bei den Versuchen heraus, die gemachtwurden, um eine feste, ebene, und sich trotz des steten Wechsels zwischen Rothgluthund Außentemperatur, der sie ausgesetzt, auch aus die Dauer eben erhaltende Sohledes Ofens herzustellen, bis man sich endlich, bereits gegen Ende des vorigen Jahr-hunderts, entschloß, in anderer Weise vorzugehen, und die Kühlofensohle, wie dasnoch heutigen Tages so gut wie allgemein gebräuchlich, aus mobilen, feuerfesten,aus ihrer Oberfläche abgeschliffenen Steinen von der Größe der gewöhnlichen Back-steine, deren untere Schmalseite in beiden Dimensionen um etwa 1 ein kleiner alsdie obere, herzustellen^. In eine dicke Schicht losen Sandes, der über die feste,gemauerte Unterlage der Sohle ausgebreitet, werden diese Steine derartig einge-

i) Unsxolopsäis xar orärs äs matisi-ss:UlLLsris", x. 192.