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Dünnes gewalztes Tafelglas.
herum, aufgerichtet, und auf neben dem Tifche liegende, halbrunde, kurze Hölzer,die nunmehr normal zur Ebene der Tafel stehen, niedergelassen. Zum Zweck leich-teren Ausrichtens, ist auch wohl versucht worden, die Tischplatte derartig auf ihremUntergestelle zu befestigen, daß sie sich seitlich neigen läßt, es bietet aber solcheEinrichtung bei großen Gläsern keinen wesentlichen Vortheil. Nachdem das Glasaufgerichtet, bringt man breite und starke, mit Handgriffen versehene Tragriemenunter dasselbe, an jeden solchen Riemen treten zwei Arbeiter, heben auf ein gege-benes Zeichen die Tafel, lehnen sich mit der Schulter gegen sie, um ein Umkippendes großen Glases zu verhüten, und tragen sie in solcher Stellung vorsichtig indie Schneidestube hinüber.
Nachdem das Glas hier genau auf solche Fehler untersucht worden, die bereitsvor feiner weiteren Bearbeitung beseitigt werden müssen, und daher ein Zerschneidender Tafel unvermeidlich machen, wird es in ähnlicher nur umgekehrter Weise, wiees vor dem Kühlofen aufgehoben worden, auf den Schneidetisch niedergelegt, dienoch nicht abgeschnittenen drei Kanten werden, da auch sie durchgängig brüchig,hier beseitigt, die übrigen unvermeidlichen Schnitte in gewöhnlicher Weife mit demDiamant oder dem bereits beim Tafelglase erwähnten „Glasschneider" geführt,und das Glas hierdurch in die Form gebracht, in der es zu weiterer Bearbeitungan die Schleiferei abgeliefert werden kann.
Beim Auswalzen des glühenden Glases erhitzt sich die mit ihm in dauerndeBerührung kommende Walze, und wird, in Folge der hierbei eintretenden unregel-mäßigen Ausdehnung derselben, die Tafel in ihrer Mitte leicht merklich dünner,als an den Rändern. Solche Erhitzung in möglichst engen Schranken zu halten,ließ sich Despret eine Walzenconstruction für Frankreich patentiren, mit derenVerwendung er auf der Gießerei der Compagnie de Floreffe gute Resultategewann i). Seine, wie die meisten hohle Walze ist zu beiden Seiten durch Metall-scheiben bis auf eine kleine centrale Oeffnung geschlossen, und wird in ihrer ganzenLänge von einer an ihren Enden hohlen, und zu beiden Seiten vorspringendenWelle durchsetzt, deren Höhlungen mit dem Innern der Walze, in das DespretWasser schüttet, durch seitliche Löcher communiciren, und dem sich in der erhitztenWalze bildenden Wasscrdampfe zu entweichen gestatten. Das Einfüllen des Wassersgeschieht durch eine, mit einer Schraube dicht verschließbare, seitliche Oeffnung.
Dem beschriebenen Verfahren des Spiegelgusses nahe verwandt ist dasjenige,das W. Blinkhorn zu Sutton 1853 für die Herstellung dünneren gewalztenTafelglases (rollscl plals, vsrrs ü rsliok) für Dachdeckungen und das Durch-sehen nicht gestattendeFensterverglasung, patentirt^), undnachBontempZb) zuerstvon Hartley zu Sunderland praktisch ausgeübt wurde. Rasch ist dieses Verfah-ren in England in schwunghaften Betrieb gekommen, und das mit ihm gelieferteProduct zu einem gesuchten Artikel geworden, der dort zur Zeit von drei Fabrikengeliefert, und in dem ansehnlichen Quantum von 200 000 bis 300000 gm jähr-lich abgesetzt wird. Auf dem Continent ist sein Consum bisher ein verhältnißmäßignoch geringer.
Dingler's Journal 169, 424, nach dsnis incknslr. 1863, Juli. — 2 ) Po-lytechn. Eentralbl. 1854, S. 1187, nach l-onckon ckonru. 1854, März. — ch drücke ckuverrior, x. 488.