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Handschliff und Politur für Spiegelglas.
meist nur etwa 30 om im Quadrat besitzenden Oberglüser durch ein größeres undschwereres (moilou äs sllargs), bei dessen Handhabung der Arbeiter zunächst seineAufmerksamkeit darauf richtete, das Bodenglas nach dem Richtscheit über seineganze Fläche hin zu ebenen (ärssssr), dann, war solches geschehen, durch Auswerfenallmälig immer feiner werdenden Sandes, das durch den ersten Rauhschliff hervor-gebrachte grobe und ungleichmäßige Korn der Schlifffläche in ein feineres undmöglichst gleichmäßiges zu verwandeln, sein Glas klar zu schleifen. Bei großenBodengläsern wurde, um das Ebnen und Klarschleisen leichter durchführen zu können,zuletzt ein ziemlich umfangreiches Oberglas angewandt, und der dasselbe tragendeSchleifkasten dann, wie bei dem gleich zu besprechenden Feinschliff, leichterer Ma-nipulation wegen, an den Speichen eines auf ihn gelegten Rades, von die Breitedes Bodensteines überragendem Durchmesser, befestigt, dessen Kranz die Arbeiterfassend, das Oberglas sowohl hin- und Herschieben, als in langsame drehende Bewe-gung versetzen konnten.
War in beschriebener Weise das Bodenglas von der einen Seite geebnet, undso weit klar geschliffen, als solches bei Verwendung der ftinsten Sandnummcrnals Schleifmittel möglich, so wurde der Schleifkasten entfernt, das Bodenglasdurch Ablösen des vorstehenden Gypsrandes, Unterfahren der Glastafel mit dünnenbreiten Messerklingen, und vorsichtiges Heben der letzteren von der Ghpsschichtauf dem Steine gelöst, abgehoben, und nachdem die Schleifbank von dem altenGyps gereinigt und mit einer Schicht frisch angerührten Gypsbreies übergössen,mit der klargcschliffeneu Seite nach unten gekehrt, auf die Bank wieder ausgekittet,worauf sich, nachdem auch mit den halbfertig gestellten Obergläsern diese Operationdes Wendens vorgenommen, die beschriebenen, auf einander folgenden Stadien desRauh- und Klarschleifcns nun auf der anderen Seite der Tafel wiederholten, bisauch diese soweit fertig gestellt waren, und das Glas zum zweiten Male von derSchleifbank abgelöst werden konnte.
In beschriebener Weise waren somit beide Seiten der Tafel eben erhalten,noch war aber das Korn des Matt auf denselben ein zu grobes, als daß die Scheibemit Erfolg direct hätte polirt werden können, sie mußte noch vorher dem Fein-schliffe unterworfen werden, bei dem wieder Glas auf Glas, aber, mit in derFeinheit seiner Masse in drei Nummern zunehmendem, geschlämmtem Schmirgelals Schleifmittel abgerieben wurde, wobei der zu Zapfen geformte Schmirgel aufdie feucht gehaltene, rauhe Glasfläche durch Ueberfahren derselben mit dem Zapfenaufgetragen wurde. Auch für das Feinschleifen wurden die Gläser aufgegypst,hier dienten aber als Unterlage die Blätter hölzerner Tische, auf denen das Fcin-douciren wieder durch ein Schleifen der festliegenden großen, mit beweglichen kleinenScheiben in ganz ähnlicher Weise wie das Klarschleifen ausgeführt wurde.
Feingeschlifscu wurden die nunmehr schon Halb durchsichtigen Scheiben vonNeuem auf Fehler untersucht, wenn erforderlich zerschnitten, und dann an diePolarer abgegeben. Auch das Poliren ist eigentlich nur ein weiteres Stadiumdes Feinschleifcns, und unterscheidet sich von letzterem nur dadurch, daß einmal, alsreibende Fläche, wo dem geschliffenen Glase der Glanz ertheilt werden soll, nichtmehr hartes Glas, sondern mit Filz oder Tuch überzogenes Holz in Anwen-dung kommt, dann der harte Schmirgel durch den weicheren „Pottig" (xotss),