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Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
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Schleifmaschinen für Spiegelglas. 455

fciugeschlämmtes Eisenoxyd (Oaxnb mortnum), der in Wasser ausgeschlämmt zurVerwendung kommt, ersetzt wird. Nachdem auch der Polirer sein Glas auf einefeste Unterlage aufgegypst, befeuchtete er das flache, auf der unteren Seite mitFilz überzogene Polirholz (xolissoir), das gewöhnlich eine Länge von 15 bis 20 ombei einer Breite von 10 vor und einer Dicke von 20 bis 25 am hatte, an derunteren Seite, mittelst einer Bürste, mit dem ausgeschlämmten Eisenoxyd, setzte esfeucht auf die zu polirende Glasplatte auf, und rieb es, eine und dieselbe Bahnbestreichend, unter starkem Drucke so lange über diesen Theil der Tafel hin undher, bis der in Angriff genommene Streifen die gewünschte gleichmäßige und hohePolitur angenommen. Da hierbei ein starkes Niederdrücken des Polirholzes aufdie Glastafel erforderlich, sparte er an Kraft, indem er zwischen dasselbe und dieBalkenlage der Zimmerdecke einen biegsamen Holzbogen stehend einklemmte, durchdessen federnde Kraft der Druck auf das Polirholz besorgt, dabei aber die Hin-und Herbewegung des letzteren möglichst wenig behindert wurde. War der ersteStreifen des Glases in dieser Weise blank polirt, so wurde die Glastafel um etwazweiDrittheil der Streifenbreite zur Seite gerückt, und begann, in derselben Weise,die Bearbeitung einer zweiten Bahn und so fort, bis, unter stets wenn erforderlichneuer Benetzung des Polirfilzes mit dem ausgeschlämmtem Eisenoxyde, endlich dieeine ganze Oberfläche den verlangten Glanz zeigte. Dann wurde die Scheibe vonihrer Unterlage gelöst, mit der polirten Seite nach unten wieder aufgegypst, undin derselben Weise dann auch ihre andere Seite bearbeitet.

Wie leicht begreiflich, ging diese Arbeit nur sehr langsam von der Handund bot das Poliren größerer Gläser, in dieser ältesten Weise durchgeführt, diegrößten Schwierigkeiten. Es erklärt sich hieraus, daß der erste Versuch der An-wendung maschineller Arbeit auf den Spiegelfabriken in der Construction einerPolirmaschine bestand. Eine derartige Maschine, in ihrer Einrichtung allerdingsnoch recht primitiv, die durch ein Wasserrad getrieben wurde, besaß ihrer Zeit diekönigliche Fabrik St. Jldefonso, und findet sich dieselbe auch schon unter den ver-schiedenen Apparaten und Utensilien der Spiegelfabriken in dem bereits citirten1783 erschienenenRsousil cls x>1s.noli68 clo l'snozmlo xsclis xar orärs äs ina-tiörss", im zweiten Theile, Tafel 43 und 44 der betreffenden Zeichnungen, ab-gebildet.

Häufiger als heut zu Tage waren auch größere ältere Spiegelgläser mitFacetten, schräg abgestoßenen, mehr oder weniger breiten Kanten, versehen, dieangeschliffen wurden, indem ein Arbeiter die fertig polirtc Glasplatte mit ihrerKaute unter der verlangten Neigung über eine mit grobem Sande bestreute Gnß-eisenplatte in Bögen hinführte, und hiermit so lange fortfuhr, bis die gewünschteBreite der Facette erreicht war. Hierauf wurde die neue Fläche durch Verwen-dung feineren Sandes klargeschliffen, endlich in gewöhnlicher Weise polirt.

Alle die vorbeschriebenen Bearbeitungsweisen des Glases nahmen, so langesie in Form von Handarbeit gestellt werden mußten, wie erwähnt, einen enormenAufwand von Zeit und Arbeitskraft für sich in Anspruch, es ist daher schon ausdiesem Grunde die neuere Technik bestrebt gewesen, sich mit der Polirmaschinenicht zu begnügen, sondern überhaupt einen möglichst großen Theil der auszufüh-renden mechanischen Arbeit der Maschine aufzubürden. Seitdem sind die zum