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Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
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Versilberung des Glases.

Behufs Reinigung des zu versilbernden Glases putzt Martin die Oberflächedesselben zunächst mit einigen, an einen Baumwollcnbausch gebrachten Tropfenconeentrirtcr Salpetersäure, spült mit Wasser ab, bringt eine geringe Quantitätetwa gleicher Volumina der Kalilösung (3) und Alkohols auf das Glas, reinigthiermit nochmals mittelst eines Büschels Baumwolle, und spült wieder sorgfältigmit destillirtem Wasser ab.

Gleiche Volumina der vier oben aufgeführten Flüssigkeiten werden mit einandervermischt, wobei, sind letztere richtig bereitet, das Bersilberungsbad klar bleibt.Dieses Bad wird dann in ein flaches Geschirr gegossen, das Glas in letzterem aufKeile derartig niedergelegt, daß es die Oberfläche der Flüssigkeit, die nur eine Höhevon etwa 5 bis 6 mm über dem Gefäßboden einnimmt, berührt, und dann dasBad während des Vorsichgehens der Silberabscheidung, durch sanftes und couti-nuirlichcs Heben und Senken der einen Seite des flachen Gesäßes, in dauernderBewegung erhalten. Rasch nimmt hierbei d.ic Versilberungsflüssigkeit eine zunächströthlich-, dann braungelbe, endlich schwarze Farbe an, und fängt hierauf das GlaSan, sich mit einer gleichmäßigen, bei fortschreitender Reduction des gelösten Silbersimmer Heller werdenden Silbcrschicht zu überziehen, die in etwa 10 Minuten einegenügende Dicke erlangt. Der Spiegel wird alsdann aus dem Bade gehoben,abgespült, und zum Trocknen an der Luft auf die hohe Kante auf Fließpapier-streifengestellt.

Auch dieses Martin'sche Verfahren ist, wie es beschrieben wurde, haupt-sächlich auf die Herstellung kleiner Gläser berechnet, bei größeren Spiegeln istman genöthigt, die Bersilberungsflüssigkeit, wie bei der Petitjean'schen Methode,auf das Glas aufzugießen, und wird dann die auch hier sehr förderliche Bewegungder Flüssigkeit durch Aufblasen von Lust auf ihre Oberfläche besorgt.

Abweichend von den letzt beschriebenen Bersilbcrungsweiscn ist die vonI. Löwe proponirtest, insofern dieser, mit Umgehung der kaustischen Alkalien, dassalpctersaure Silberoxyd-Ammoniak mit einer Milchzucker-Kalk-Lösung rcducirt.

Läßt sich nun auch ein, während der etwa 20 Jahre ihres Bestehens gemachterFortschritt in der Praxis der Glasversilberung nicht hinwegleugnen, so ist dieselbedoch, trotz einschlagender Untersuchungen H. Vogels 2 ) und Anderer, bisher nichtin ein Stadium der Entwickelung eingetreten, das als ein völlig befriedigendesbezeichnet zu werden verdiente; es ist die Unsicherheit des regelmäßigen Gelingensimmer noch ziemlich groß, und herrschen andererseits, auch in Betreff der Haltbar-keit der Silbcrspiegcl, noch nicht durch langjährige Erfahrung widerlegte, und alsunberechtigt zu bezeichnende Zweifel. So stehen sich dann noch heutigen Tagesselbst auf den bedeutendsten Anstalten Versilberung und Zinnamalgambclege alsRivalen gegenüber, und während Nürnberg-Fürth sowie die englischen undbelgischen Spiegelfabriken ihre Producte fast ausschließlich versilbern, belegen diefranzösischen und deutschen Etablissements der Socists de Saint-Gobainin der Regel in der älteren Weise, liefern versilberte Gläser nur auf speciellesVerlangen, und übernehmen für ihre Haltbarkeit keine Garantie st.

st Dingler'ö Journal 140 (1856), 204. st Erdmann's Journal 86, 321,»ach Berlin. Akademie-Bericht 1862, Mai. st Lobmeyr: Die Glasindustrie S. 156.