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Gepreßtes Glas.
die französische Glasindustrie des neuen Verfahrens, entwickelte dasselbe weiter,und lieferte, etwa um die dreißiger Jahre unseres Jahrhunderts, wo derartigeWaare in billigeren Artikeln des täglichen Gebrauches Mode wurde, dieselbe insehr bedeutender Quantität auf den europäischen Markt. Bald folgten auch einigeösterreichische Hütten wenigstens versuchsweise, so führte z. B. Joseph Lobmeyrim Jahre 1836 die Preßglasfabrikation in Marienthal (Slavonien) ein H.
Neben der Rankenornamentation auf gekörntem Grunde trat bald eine Imi-tation des Brillantschliffes als Verzierung der Preßgläser auf, die, ließ sieauch noch Manches zu wünschen übrig, waren z. B. die Kanten nie scharfe, dochvon bedeutend besserem Effect als ihre Vorgängerin war. Allmälig besserte sichunter dem Einflüsse der fortschreitenden Technik das Ansehen der in dieser Weisegelieferten Objecte, deren Verwendung indeß vorläufig noch auf den alltäglichstenHaus- und Wirthschaftsgcbrauch beschränkt blieb, und erst durch die LeistungenE. Moore L Comp. zu South-Shields, namentlich durch seine, auf nachträg-lich matt geschliffenem Grunde polirtcn vertieften Schliff imitircndcn Gefäße, überletzteren erhoben wurden.
Da ein möglichst genauer Anschluß der Glasmasse an die Innenflächen derForm erforderlich, soll das Aeußcre der producirten Gefäße ein einigermaßengefälliges werden, hat man, wo es sich um Herstellung von Gläsern besserer Arthandelte, bis vor Kurzem dem leichtschmelzbaren weichen Blciglase fast durchgängigvor dem härteren Kalkglase den Borzug eingeräumt. Es zeigten die gepreßtenGläser französischer Fabriken, so Baccarat's, dem entsprechend dann auch meistmit derjenigen des geblasenen Bleikristalls übereinstimmende Zusammensetzung,und wollte in Gegenden, in denen das Bleiglas im Allgemeinen keine Verwendungzur Hohlglasfabrikation fand, so z. B. in Böhmen, die fabrikmäßige Herstellungdes Preßglases auch nicht recht festen Fuß fassen. Moore's Verdienst ist es,auch in dieser Beziehung neuerdings neue Bahnen beschämten zu haben; er ersetztedas theuere Bleiglas mit Erfolg durch bleifrcies, billigeres, und leichteres Mate-rials, und unterließen andere englische Fabriken nicht seinem Beispiele zu folgen.
Zwei Analysen schweren gepreßten Glases: des Materials eines Salzfassesder Fabrik zu Baccarat (1) und einer Butterdose englischer Herkunft (2) er-gaben mir für diese Gläser die nachstehenden Zusammensetzungen:
1.(spec.Gcw. 3-326) 2. (spec. Gcw. 2'874)
Kieselsäure.
50-18 . . .
. . 61-27
Thonerde, Eisenoxyd und)
N'l L
Spuren von Manganj
Bleioxyd.
38-11 . . .
. . 22-36
Kalk.
— . . .
. . 1-05
Natron.
— . . .
. . 7-55
Kali.
11-62 . . .
. . 7-07
100-05
99-98-
H Ebendaselbst, S. 176. — 2 ) Lvlnneyr: Die Glasindustrie S. 176.