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Gepreßtes Glas.
als Unterlage dienenden Glastafcl nicht an, dann braucht aber auch nur dievordere Seite derselben geschliffen und polirt zu werden. Da überdies das Ver-platiniren sehr rasch von der Hand geht, so daß ein Arbeiter, bei 12stündigerArbeit, leicht 50 Mi Glas zu belegen im Stande sein soll, können die Platinfpiegelrelativ sehr billig gestellt werden.
Nach einem amerikanischen Patente stellt Angcnard in Newyork angeb-lich auch sehr schöne Platinspiegel in ähnlicher Weise dar, benutzt aber an Stelleder Lösung von trockenem Platinchlorid in Lavendclöl eine solche in Alkohol, dieer mit einer Bürste auf das horizontalliegende Glas aufträgt. Nach dem Ver-dunsten des Alkohols wird dann das Platin, bei Kirschrothgluth, rcducirt undeingebrannt'). Von einer Deckung des Metalls mit Glasur berichtet unsere Quellenichts.
Wie auf den Silberspiegcln, so ist auch auf den platinirtcn der Metallüber-zug ein äußerst dünner, ja gestattet bei letzteren häufig sogar ein Hindurchsehendurch Glas und Belege, namentlich, wenn solches aus relativ dunkleren in hellereRäume geschieht. —
Gepreßtes Glas (Vsnvs irrorrlä pur xvS88ic>ir, xrö88sä A1N88).
Schon zu Beginn des vorigen Abschnittes ist erwähnt worden, daß bereitsden ägyptischen Hütten die nahe liegende Technik, Glasobjcctc zu gestalten, indemman das flüssige Material in Hohlformen gießt, und, behufs besserer Erfüllungderselben durch die rasch zähe werdende Masse, einen Druck auf die Oberflächeder letzteren ausübt, nicht entgangen war. Wurde solche Technik somit aber auchschon in ältester Zeit angewandt, so blieb sie doch bis zu Anfang unseres Jahr-hunderts nur ein bei Herstellung von Glaskurzwaaren gelegentlich benutztesHilfsmittel. Um die genannte Zeit trat sie als amerikanische?), nach Anderen,als etwa um das Jahr 1810 gemachte englische Erfindung") selbststündig auf,und fand, zunächst bei der Herstellung mancher Hohlgläser, wie flacher Schalenund Teller kleinerer Dimensionen, ausgebreitete Verwendung.
Da es nur schwer gelingt, dem in dieser Weise geformten Glase eine befrie-digend glatte und gleichmäßige Oberfläche zu geben, sah man sich von vornhereinveranlaßt, solche, so viel thnnlich, zu vermeiden und gab der Innenfläche der zumPressen benutzten aus Messing hergestellten Hohlformen eine, einen möglichst großenTheil des Grundes deckende, vertieft eingeschnittcne Ornamentation, die sich aufdem Glase als flaches Relief ausprägte, körnte auch wohl den ganzen zwischenden meist recht ungeschickt arrangirten Ranken und Blumen übrig bleibenden Grundder äußeren Fläche des Gefäßes. Zunächst nach der englischen, bemächtigte sich
0 Wagner's Jahresbericht 11 (1865), 480, nach Deutsche Jndustriezcitung 1866,S. 188. — 2 ) Steiin Die Glasfabrikation, S. 145. — ch Lob mehr: Die Glas-industrie, S. 175, nach Hallwich: Nordböhmen auf der Weltausstellung in Wien