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Elastisches Glas.
artig getroffen, daß die Ofensohlc, auf der die Tafeln ruhen, durch einen einfachenMechanismus derartig gehoben werden kann, daß sie in die Flucht einer gegendas Bad geneigten, als Brücke dienenden, schiefen Ebene gelangt, wo dann einHinüberschieben der Scheiben keine besonderen Schwierigkeiten bietet.
Herstellungsweise wie Verhalten des in Rede stehenden Glases, mit denensich neuerdings A. Bauer in Wien etwas eingehender beschäftigt, scheinen unbe-dingt darauf hinzuweisen, daß der Zustand, in dem sich das „elastische Glas" be-findet, mit demjenigen der sogenannten Springproben (S. 14) nahe verwandt.Auch nach Bauer's Angaben °) ist das Aeußere des gehärteten Glases von demdes gewöhnlichen nicht wesentlich verschieden, auch er beobachtete den Metallklang,den Gegenstände aus diesem Materielle beim Aufschlagen auf den Fußboden geben.Das Glas verträgt nach ihm ein Ritzen seiner Oberfläche, ohne zu brechen,zerfällt aber bei heftigem Aufschlagen zu Splittern, und läßt sich daher mit demDiamant nicht schneiden.
Bauer erwärmte bei seinen Versuchen gewöhnliche Glasscheiben bis zu begin-nendem Erweichen und tauchte sie dann in ein Paraffinbad, das vorher auf 200°erhitzt worden und nun mit seinem Inhalte langsam abgekühlt wurde. Bei dieserBehandlung stieg das specif. Gewicht des Glases von 2'429 und 2'438 auf 2'460und 2'468. Die neben solcher Contraction eintretende erhöhte Resistenzfähigkeiterklärt sich Bauer, indem er annimmt, wenn die Abkühlung des Glases bis aufdie Temperatur völligen Erstarrtseins der Masse bis zu einem gewissen Graderasch erfolge, so werde die Entmischung (Entglasung) des in flüssigem Zustandehomogenen Materials, die, wie betreffenden Ortes angeführt, in allen Gläsern desHandels mehr oder weniger deutlich bemerkbar, aber durchgängig nachgewiesenwerden kann, nicht so weit um sich greifen, als bei langsamem Erstarren, dahereine homogenere und daher reststenzfähigere Masse erhalten.
Klingt nun solche Annahme auch ziemlich plausibel, so wird durch sie dasVerhalten des elastischen Glases doch nicht verständlicher; wie erklärt sich z. B. dieHärtung von Objecten, die vor dem Abschrecken gar nicht bis zum Erweichenerhitzt werden? und, warum läßt sich die homogenere Masse nicht wie gewöhnlichesGlas schneiden? Mir scheint die oben angeführte Parallele mit den Springprobenschlagend; was wissen wir denn aber über diese? und auch der experimentelleBeweis dafür, daß es, um Hartglas zu erhalten, unbedingt erforderlich, dasgewöhnliche Glas vor langsamer und gleichmäßiger Kühlung in einem passendenMedium erst abzuschrecken, ist bisher nicht geliefert worden. Wie wesentlich fürFestigkeit wie Elasticität des zu gewinnenden Productes aber gerade die Art undWeise der Abkühlung desselben von der Temperatur dunkler Rothgluth ab abwärts,das ist Jedem, der sich mit der Glasfabrikation praktisch beschäftigt, zur Genügebekannt.
Pieper scheint dann auch auf das Abschrecken weniger Gewicht zu legen; erkühlt sein Vulcanglas, indem er auf die Oberfläche desselben mittelst Gebläses Luftoder Dampf von passender Temperatur in feinen Partialströmen leitet. Seine
i) Polytechn. Centralbl. 1875, S. 516, nach Wochenschrift des niederösterreichischenGewerbevereins 1875, Nr. 81.