Zeit der Reformation mid Gegenreformation.
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unerschütterliche Stütze des lutherischen Bekenntnisses, dasdem Volke selbst teuer geworden war. Und Georg Fried-richs Charakterfestigkeit, die den auch an ihn in früherenJahren herangetreten»: Lockungen eines Pistorius wider-standen hatte, ist es zuzuschreiben, daß das regierendebndische Fürstenhaus evangelisch geblieben ist. — In dieserHaltung des Markgrafen, die sich bis zum denkbar höchstenOpfermut im Entscheidungskampf der Konfessionen, imDreißigjährigen Krieg, steigerte, liegen zugleich die Keimekünftiger Entwicklung des badischen Landes. Daszähringische Haus ist dadurch zum Hort der Toleranzgeworden, die es allein von den in Betracht kommendenHäusern am Oberrhein in den Stand setzte, einenmodernen Staat zu schaffen aus einem Konglomerat buntzusammengewürfelter Gebilde von ganz heterogenem Wesenund entgegengesetzten Traditionen. Tie MarkgrafschaftBaden-Turlach selbst, der Kern dieses späteren Staates, ist da-durch bewahrt geblieben einerseits vor der wirtschaftlichenund kulturellen Stagnation, wie sie ausgesprochene In-toleranz beispielsweise im benachbarten österreichischen Ge-biet oder in Altbayern mit sich brachte, andererseits vordem einer gedeihlichen inneren Entwicklung fast ebensohinderlichen wiederholten Konfessionswechsel, wie er in derPfalz unheimlich oft eintrat.
In kaum vier Menschenaltern, in der Zeit von 1545bis 168ö, hat die Pfalz bzw. ihr Herrscherhaus nicht rkWweniger als neunmal das Bekenntnis geändert. Nachdeml545 die lutherische Lehre eingeführt worden war, trat an is-mihre Stelle 15,63 der Calvinismus (1662 Heidelberger^Katechismus). Mit welcher Intoleranz übrigens geradeder Calvinismus auch in Deutschland vorging bei seinerPropaganda, beweist die durch den reformierten ProfessorOlcvian veranlaßte Hinrichtung des Superintendenten