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Des Vitruvius zehn Bücher über Architektur / übers. und durch Anmerkungen und Risse erläutert von Franz Reber
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Die Einzeleinwürse dürften sich durch eine von der vul-gären abweichende Texterklärung in der Hauptsache beseitigtfinden. Das kann sicher behauptet werden, daß Nichts ge-radezu für Schultzens doppelte Behauptung spricht, das Werkenthalte Manches, was in der Zeit des Auguftus oder auchin der Epoche der Flavier, in welche W. Newton den Autorversetzt, unmöglich sei, und verrathe überdieß an allen Orten,daß der Verfasser gar kein Architekt, sondern ein Compilatoraus der finstersten Zeit des Mittelalters gewesen sei. Wennman gegen das Unhellenische gewisser Formen und Verhält-nisse eifert, so vergißt man eben, daß Vitruv ein Römerwar, welcher, in der aus etrurischen und hellenischen Ele-menten verquickten römischen Architektur befangen, die grie-chische Elasticität nur aus halbverstandenen griechischen Ab-handlungen und auf keinen Fall aus praktischer Uebungkannte, und überdieß ein Architekt, der mehr im Ingenieur-fache sein Brod suchend und auch da kaum von Bedeutung,in dem einzigen, nachweislich von ihm ausgeführten Ge-bäude, der ausführlich beschriebenen Basilica von Fanum(S. 131 fg.) ebenfalls keine Palme errungen haben dürfte.Man vergißt, daß wir an unserem Autor nicht einen Schin-kel oder Klenze seiner Zeit vor uns haben, sondern einengewöhnlichen, mit wenig Großem betrauten Architekten, derin seiner geschraubten Vielseitigkeit der soliden Basis desStudiums mustergiltiger Monumente verlustig gegangen ist,an den Prachtbauten Roms in der ersten Kaiserzeit keinenAntheil und deshalb wohl auch keine Vorliebe dafür hatte,und in seiner Muße so gut es ging schriftftellerte, um seinreich aufgespeichertes, wenn auch nicht erschöpfendes undgründliches Wissen an den Mann zu bringen.