4
wenn man der Optik kundig, an den Gebäuden die Fenster von ge-wissen Himmelsgegenden her richtig angebracht. Durch die Arithmetiknber werden die Kosten der Gebäude berechnet, die Maßemtheilungenentwickelt und schwierige Fragen der Verhältnisse des Ebenmaßesnach geometrischen Gesetzen und Regeln gelöst.
5. Mehrsache geschichtliche Kenntnisse aber muß man besitzen,weil die Baumeister in ihren Werken oft viele Zierden anbringen,worüber sie auf Befragen, warum sie dieselben gemacht haben, denGrund angeben müssen. Wie zum Beispiel, wenn einer weiblicheMarmorstatuen mit langem Gewände bekleidet, die sog. Karyatiden,rn seinem Bauwerke statt der Säulen ausstellt und darüber Gebälkeund Gesimse angebracht hat, so wird er denen, die sich darnach er-kundigen, folgenden Grund angeben: Karya '), eine Stadt in derPeloponnes, stand mit den Persern gegen Griechenland im Einver-ständnisse: daraus kündigten die Griechen , durch den Sieg ruhmvollvorn Kriege befreit, im gemeinsamen Beschlusse den Karyaten denKrieg an. Und so führten sie, nach Einnahme der Stadt, Ermor-dung der Männer und Vernichtung des Staates, die Frauen derselbenin die Sklaverei ab, und gestatteten nicht, daß sie ihre langen Ge-wänder und ihren Frauenschmuck ablegten, auf daß sie nicht bloß ein-
Es scheint in der Peloponnes zwei Städte dieses Namens gegeben zuhaben, die eine in Arkadien, welche, als bei Pyenens liegend, PausaniaS (VIll.l3. >4) erwähnt, die andere in Lakonien. Die letztere, mehrsach tTenophonHellen. VI. 5; Vll. I; Pansania» III. l0. IV. >6; Servius zu Birg. Ecl. VIll.v. 30) erwähnt, war durch einen Tempel der karyarifchen Artemis berühmt,in welchem die lakedämonischen Jungfrauen jährliche Felle zu feiern pflegten.Während nun die Einen nach LessingS Vorgänge die ganze Erzählung deS Vi-truvius als ein Märchen bezeichnen, beziehen sie die Anderen auf die arkadische
Sradr. Da aber von dieser sonst nichts bekannt ist. konnte eher in dein von
Lenophon (a. a. O.) erzählten Schicksale deö lakonischen Karya der Grund dervon Vitrnvius erzählten Karyatidengeschichre vermuthet werden. Freilich warendie Verhältnisse etwas verschieden, denn nicht wegen verrätherischen Anschlussesan d.e Perser, sondern wegen des Bündnisse» mit den Thebanern und wegenAbfall» von Sparta, und nicht zu Ende der 75. Olympiade, wie dieß nach der
Vertreibung der Perser angenommen werden müßte, sondern Ol. >03, 2 wurde
Karya zerstört; auch sagt -kenvphon. daß die Spartaner Alles, was sie inKarya Lebendes fanden, Niedermetzelten, mithin nicht die Weider für die Skla-verei schonten.