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Des Vitruvius zehn Bücher über Architektur / übers. und durch Anmerkungen und Risse erläutert von Franz Reber
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Schlanke, Blumenreiche und der Blätter- und Spiralenschmuck dieentsprechende Angemessenheit zu erhöhen scheint. Wenn man derJuno, Diana, dem Vater Liber und den übrigen Göttern, welcheähnlichen Wesens find, ionische Tempel errichtet, so wird damit ihrendie Mitte haltenden Eigenschaften Rechnung getragen, weil die fest-gestellte Eigenthümlichkeit dieser Tempel sich sowohl von der strengenSitte der Dorer, als der Zartheit der Korinther ferne hält. 6. Dieaus Gewohnheit beruhende Angemessenheit kömmt dadurch zum Aus-druck, wenn man bei Gebäuden, die im Innern prächtig find, eben-falls entsprechende und glänzende Vorhallen anbringen wird; wennnämlich die inneren Räume ein glänzendes Aussehen, die Zugängeaber ein gemeines und unansehnliches haben, so werden sie der An-gemessenheit entbehren. Ferner, wenn man bei dorischen Unterbalken(Architrav oder Epistyl) im Gesimse den Zahnschnitt meißeln wird,oder wenn man bei Säulen mit Polster-Capitälen und IonischenUnterbalken im Fries den Dreischlitz (Triglyphon) herausarbeitet,so wird, indem man die Eigenthümlichkeiten des einen auf einen an-deren Baustyl überträgt, der Anblick gestört werden, indem einmalvorher eine andere Zusammensetzung der Ordnung durch den Ge-brauch sich festgestellt hatte. 7. Naturgemäß aber wird die Ange-messenheit dann sein, wenn überhaupt für alle Tempel die gesundestenGegenden und passende Brunnquellen an den Orten ausgewählt wer-den, an welchen die Heiligthümer angelegt werden sollten; insbeson-dere aber für die Tempel des Aeskulap, der Salus und derjenigenGottheiten, durch deren Heilmittel die meisten Kranken hergestelltwerden sollen. Denn wenn die kranken Körper von einem ungesun-den an einen gesunden Ort gebracht werden und ihnen dazu der Ge-brauch von Gesundbrunnen dargeboten wird, so werden sie schnellergenesen; und so wird bewirkt werden, daß die Gottheit aus dernatürlichen Beschaffenheit des Ortes ein größeres und durch Verdiensteerhöhtes Ansehen erhalte. Ferner wird es natürliche Angemessenheitsein, wenn für Schlafgemächer und Bücherzimmer die Fenster imOsten angebracht werden, für Bäder und Wintergemächer im Süd-westen, für Gemäldezimmer und für diejenigen Theile, welche eine gleich-mäßige Beleuchtung nöthig haben, im Norden, weil diese Himmels-gegend durch den Lauf der Sonne weder erhellt, noch verdunkelt wird,