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Des Vitruvius zehn Bücher über Architektur / übers. und durch Anmerkungen und Risse erläutert von Franz Reber
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erregte Kraft des Geistes. Dies die Begriffsbestimmungen für dieVerzeichnungen.

3. Die Eurhythmie ist das Ansprechende im Aussehen und einhinsichtlich der Zusammenstellung der Glieder behaglicher Anblick.Sie wird erzielt, wenn die Glieder des Gebäudes im richtigen Ver-hältnisse der Höhe zur Breite, der Breite zur Länge stehen und über-dieß alle ihren symmetrischen Gesammtverhältnissen entsprechen.

4. Die Symmetrie ferner ist die aus den Gliedern des Gebäu-des selbst sich ergebende Uebereinstimmung und das entsprechendeVerhältniß eines nach den einzelnen Theilen berechneten (größeren)Theiles zum Totalanblick. Wie am Körper des Menschen nach demVorderarm, dem Fuße, der flachen Hand, dem Finger und den übri-gen Theilen das symmetrische und eurhythmische Verhältniß sich be-stimmt, so verhält es sich auch bei Gebäuden: so bestimmtes sichzunächst bei Sacralbauten entweder nach der Säulendicke oder demTriglyphon (Dreischlitz) oder auch nach dem Embates (griechischerMeßsckuh), an der Batiste nach der Bohrung, welche die GriechenPeritreton nennen, an den Schiffen nach dem Zwischcnraume zwischenden einzelnen Ruderzapfen, welcher Diapektike genannt wird, undauch an den übrigen Werken wird so nach einzelnen Gliedern dieBerechnung der symmetrischen Verhältnisse gefunden.

5. Die Angemessenheit ist das tadellose Aussehen eines auserprobten Bestandtheilen mit Rücksicht auf das anerkannte Herkommenaufgeführten Gebäudes. Diese ergibt sich durch Satzung, welche ausgriechisch Thematismos heißt, oder durch Gewohnheit, oder durchdie Natur der Sache. Durch Satzung, wenn man dem blitzendenJupiter und dem Himmel und dem Sonnengott und der MondgöttinTempel, die im Innern oben offen sind, Hypaithra, erbaut. Denndie Gestalten und Wirkungen dieser Götter sehen wir im offenen undlichten Weltraum gegenwärtig. Der Minerva, dem Mars und demHerkules wird man dorische Tempel bauen; denn wegen der Mann-haftigkeit dieser Gottheiten ist es angemessen, ihnen prunklose Ge-bäude zu errichten. Für die Venus, Flora, Proserpina und dieNymphen der Quellen dürsten die im korinthischen Stil erbautenTempel die passenden Eigenschaften haben, weil bei den diesen Gott-heiten geweihten Tempeln in Rücksicht auf deren zarte Wesenheit das