Buch 
Des Vitruvius zehn Bücher über Architektur / übers. und durch Anmerkungen und Risse erläutert von Franz Reber
Entstehung
Seite
80
JPEG-Download
 

80

7. Der Dipteros aber ist achtsäulig, sowohl an der Vorhalle,als an der Hinterseite, aber rings um den Tempel hat er doppelteSäulenreihen, wieder dorische Quirinustempel ist '), und zu Ephc-sus der ionische, von Chersiphron ?) erbaute Artemistempel.

8. Der Hypäthros jedoch ist zehnsäulig, sowohl an der Vor-halle, als an der Rückseite. Das Uebrige hat er Alles ebenso wieder Dipteros, aber im Innern hat er übereinander gedoppelte Säu-len, abstehend von den Wänden, so daß dadurch ringsum ein Ganggebildet wird, wie durch die äußere Säulenhalle, der mittlere Theilaber ist unter freiem Himmel, ohne Dach, und auf beiden Seiten inder Vorhalle und im Hintertheile ist ein Eingang von Flügelthüren.Ein Beispiel davon findet sich in Nom nicht, aber ein achtsäuligerTempel zu Athen und der olympische Tempel ^).

Wahrscheinlich der von Augustus im 2ahr 738 d. St. geweihtepel, welcher nach Dio CassiuS (l,IV. i») sechöundsiebzig Säulen hatte.

2) Aus KnosoS auf Kreta, der erste Erbauer des cphesischen Arteinis-tempelS, von Vitruv weiterhin noch mehrfach erwähnt.

o) Diese einzige Stelle der classischen Literatur, welche direkt von Hypä-thraltempeln berichtet, hatte schwere Anfechtungen zu bestehen, da man lieberdie helle Beleuchtung eines solchen Tempelinnern, alö die schützende Decke missenwollte. Nicht leicht wog dabei das ästhetische Mißbehagen, daS man bei demAußenanblick eines HypäthraltempelS mit seinem ausgeschnitteneneingeschlage-nen" Dache empfinden zu müssen glaubte. Unser landläufiges ästhetisches Ge-fühl dürfte aber mir manchem, was der griechische Geschmack billigte und liebte,nicht mehr einverstanden und das GefühlSkriterium überhaupt in kunstgeschicht-lichen Fragen das trüglichste sein. Der hefkige Angriff, welchen L. Nvß in seinerAbhandlungKeine Hypäthraltempel mehr" (Hellenika, l. Heft, Halle 1846)führte, wurde indeß von C. Bötticher durch die AbhandlungDer Hypäthral-tempel", PotSdam 1847, so zurückgewiesen, daß jetzt nur diejenigen noch ander Nichtexistenz solcher Tempel festhalten, die weder ihre Borurtheile, noch ihreästhetischen tteberschwenglichkeiten zu meistern verstehen. Wenn jedoch E. Bvtti-cher behauptet, daß alle Cellen, die innen zwei übereinanderstehende Poetikenhatten, Hypäthren gewesen seien, so kann ich dieser Ausdehnung mit Bezug-nahme auf das Zeugniß des Ditruv nicht beipflichten. Darüber, sowie überdie muthmaßliche Einrichtung solcher Hypäthraianlagen, wird sich daö Näherein meiner Geschichte der Baukunst im Alterthume finden.