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fers die Menschenmenge überrascht und abgeschnitten hat, sie in demTempel rings um die Cella einen geräumigen Aufenthalt mit freierBewegung habe. Dieß aber wird so bei der pseudodipteren Tempel-anlage eingerichtet. Deshalb scheint HermogeneS mit Scharfsinn undgroßer Geschicklichkeit die Wirkung seiner Werke berechnet und dieQuellen hinterlassen zu haben, woraus die Nachkommen die Gesetzeder Wissenschaft schöpfen konnten.
10. Beim Aräostylos müssen die Säulen so gemacht werden,daß ihre Dicke den achten Theil ihrer Höhe beträgt. In gleicherWeise ist auch die Säulenhöhe beim Diastylos in 8 V 2 Theile abzu-theilen und ein Theil als Säulendicke anzunehmen. Beim Systylostheile man die Höhe in 9 V 2 Theile, und gebe einen von diesen derSäulendicke. Ferner im Pyknostylos ist die Höhe in zehn Theile zutheilen und einer davon zur Säulendicke zu machen. Die Säulen-höhe des Eustylos aber theile man, wie die des Systylos, in 9'/?Theile und bestimme einen Theil davon für die Dicke des unterenSchafttheils: so wird durch ein entsprechendes Maß der Verstärkungder Säulen der Weite der Säulenzwischenräume Rechnung getragen.
11. In dem Maße nämlich, wie die Abstände zwischen den Säulenwachsen, so find in entsprechend zunehmendem Verhältnisse die Durch-messer der Schäfte zu verstärken. Denn wenn beim Aräostylos derneunte oder zehnte Theil zur Säulendicke gemacht wird, so wirddie Säule schwach und mager erscheinen, deshalb, weil durch dieBreite der Säulenweiten die Luft dem Ansehen der Schäfte die Dickebenimmt und sie verringert. Wenn aber dagegen beim Pyknostylosdie Dicke den achten Theil der Säulenhöhe betragen wird, so wirdsie wegen der dichten Säulenstellung und der Enge der Säulenweitenein strotzendes und unschönes Ansehen bewirken. Deshalb muß mandie zusammenstimmenden Maßverhältnisse der betreffenden Art einesBaues befolgen. Auch muß man die Ecksäulen um den fünfzigstenTheil ihres Duchmessers dicker machen, weil sie von der Luft ringsumbeschnitten werden und den Beschauern schlanker zu sein scheinen.So viel also das Auge täuscht, muß durch Berechnung ausgeglichenwerden.
12. Die Verjüngung am obersten Säulenhalle aber muß sobewerkstelligt werden, daß, wenn die Säule von dep kleinsten Höhe