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Des Vitruvius zehn Bücher über Architektur / übers. und durch Anmerkungen und Risse erläutert von Franz Reber
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bis zu 15' mißt, der unterste Durchmesser in 6 Theile getheilt undvon 5 derselben der obere Durchmesser hergestellt werde, ferner wennsie 1520' hoch sein wird, daß der Schaft zu Unterst in 6 '/? Theilegetheilt und von 5 '/r davon die obere Säulendicke gemacht werde,ferner wenn sie von 20 bis zu 30' hoch sein wird, daß der Schaftganz unten in sieben Theile getheilt und aus 6 davon die oberste Ver-jüngung gebildet werde; wenn sie aber von 30 bis 40' hoch ist, daßman sie am unteren Ende in 7 '/r Theile eintheile und daß sie vondiesen 6'/2 am oberen Ende der Verjüngung habe; ferner wenn dieSäulen von 40 bis 50' hoch sein werden, daß man acht Theile macheund sie am oberen Schaftende unter dem Capitale in deren siebenzusammenziehe. Desgleichen soll man, wenn sie noch höher sind, nachderselben Berechnung im bestimmten Verhältnisse die Verjüngungbestimmen. 13. Diese verhältnißmäßigen Zusätze (durch die verrin-gerte Verjüngung) aber werden, wegen des steigenden Höhenabstandesvom beschauenden Auge, der Dicke hinzugefügt'); denn das Augeverlangt Anmuth, und wenn wir seinem Behagen nicht durch Ver-hältniß und Zusätze in dem Maße schmeicheln, so daß dasjenige,worin es täuscht, durch entsprechende Ausgleichung verstärkt wird,so wird den Beschauern ein öder und anmuthloser Anblick geboten.

Was die Schwellung betrifft, wodurch die Säulen in der Mitteverstärkt werden, welche bei den Griechen Entasis genannt wird, sowird sich am Ende des Buches Form und Gesetz derselben, wie sieweich und entsprechend ausgeführt werde, verzeichnet finden ^).

1) ist darunter die bei höheren Säulen verhältnißmäßig größere Dickedes oberen Schaftendes durch ein geringeres VerjüngungS-Verhältniß zu ver-stehen. Die Verjüngung bei 15' hohen Säulen beträgt nämlich Vs des un-teren Durchmessers, die bei 40 50 ' hohen Schäften V8. und so steht durch-aus die Verjüngung zur Hohe der Säulen im umgekehrten Verhältniß. DaSBerjüngungSverhältniß kann aber darum kein gleiches sein, weil bei größerenSäulen die Entfernung des oberen Schaftendes vom Auge dessen größeren Durch-messer dem Auge ohnehin geringer erscheinen läßt, so daß also die in gleicherWeise, wie die kleineren Säulen, verjüngten größeren Schäfte als Verhältniß,mäßig zu sehr abnehmend erscheinen würden.

2) Das vitruvische Verfahren, die EntastS herzustellen, ist mit der fehlen-den Figur verloren.