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Des Vitruvius zehn Bücher über Architektur / übers. und durch Anmerkungen und Risse erläutert von Franz Reber
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sie aber doch schlanker erscheinen, so werden an diesen Säulen, wäh-rend die äußeren 20 oder 24 Canellirungen haben, 28 oder 32 an-gebracht werden müssen. So wird das, was an dem Körper desSchaftes abgezogen wird, durch die verstärkte Zahl der Canellurenwieder hinzugefügt, aus dem Grunde, daß jenes weniger sichtlichwird, und so wird die Säulendicke durch ein umgekehrtes Verhältnißwieder ausgeglichen.

3. Dieses Ergebniß aber rührt davon her, daß das Auge einemehrfache und dichtere Zeichnung berührt, indem es aus einer ver-mehrten Kreisoberfläche herumschweift. Denn wenn der Umfang vonzwei gleichdicken Säulen, von welchen die eine uncanellirt, die anderecanellirt ist, mit Schnüren gemessen wird, und die Schnur rings um dieHöhlungen der Canelluren und um die Kanten der Stege den Säulen-körper berührt, so werden doch, wenn auch die Säulen gleich dicksind, die Schnüre, welche herumgeführt worden sind, nicht gleich langsein, weil der Umweg um die Canelluren und Stege die Länge derSchnur größer macht. Wenn aber dies so scheinen wird, so ist es nichtungeeignet, an engen Orten und in geschlossenem Raume entsprechendschlankere Säulenverhältnisse bei einem Bauwerke festzustellen, wen»wir eine nachhelfende Ausgleichung durch die Canelluren haben.

Die Dicke der Cellawände selbst aber muß im angemessenenVerhältniß zur Größe des Tempels gemacht werden, während dieihrer Eckwandpfeiler der Säulendicke gleich sein sollen. Und wennsie aus Bruchsteinen gebaut werden sollen, so möge man sie ausmöglichst kleinen aufführen; wenn aber aus Stein- oder Marmor-Quadern, so scheinen sie vorzugsweise aus mäßig und gleich großenerrichtet werden zu müssen, weil die mit ihrer Mitte auf den Fugen-liegenden und dieselben bindenden Steine den ganzen Bau mehr be-festigen werden; ferner werden die rings um die Fugen und Lagenvortretenden Erhöhungen^ der Steine den Anblick durch ein maleri-sches Linienspiel verschönern.

'/Der Manerbau aus Quaoern mit abgeschrägten Ccken (Nuslika), inrömischer Kaiserzejt sehr bliebt, an griechische» Musterwerk,» nicht vor-