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wichtigen Kunstzweige sich beschäftigen, und solche, welche nicht blosnicht von der Baukunst, sondern überhaupt nicht einmal von demHandwerksmäßigen Kunde haben, so kann ich nicht umhin, diejeni-gen Familienherren zu loben, welche, indem sie ein einschlägigeswissenschaftliches Werk zu Grunde legen und sich darauf verlassen,selbst den Bau führen, von der Ansicht ausgehend, daß es, wenn ein-mal der Bau Unerfahrenen anvertraut werden müsse, weit angemesse-ner sei, selbst nach eigenem Willen, als nach einem fremden, eineMasse Geld aufzuwenden.
7. So versucht Niemand irgend eine andere Kunst, wie dieeines Schusters, oder Walkers, oder die leichteren von den übrigenHandwerken für sich zu Hause zu betreiben, und nur die Baukunstdeshalb, weil diejenigen, welche sich dafür ausgeben, nicht auf Grundder wirklich erworbenen Kunst, sondern fälschlich, sich Baukünstlernennen. Darum glaubte ich den Inbegriff der Baukunst und ihreGesetze auf's sorgfältigste in ein Handbuch zusammenfassen zu müssen,in der Voraussetzung, daß dieß allen Ständen nicht unerwünscht seinwerde. Da ich daher bereits im 5. Buche die zweckmäßige Anlageder öffentlichen Bauwerke beschrieben habe, so werde ich in diesemdie wohlberechnete Anlage und die entsprechenden Maßverhältnisseder Privatgebäude entwickeln.
Erstes Hnxrtel.
Anordnung der Gebäude nach den Eigenthümlichkeiten ihres Platzes.
1. Diese aber werden dann recht angelegt sein, wenn erstlichberücksichtigt worden ist, in welcher Weltgegend und in welchem Zo-nenstrich sie gegründet werden sollen. Denn die Häuserarten scheinenanders in Aegypten, anders in Spanien, auf eine andere Weise inPontus, wieder abweichend in Rom und ebenso anders in den übri-gen Ländern und Gegenden nach ihren Eigenthümlichkeiten angelegtwerden zu müssen: weil die Erde an einem Theile durch die Näheder Sonnenbahn leidet, an einem anderen weit von ihr entfernt ist,an einem dritten in einem mittleren Abstände sich befindet. Wie alsodie Beschaffenheit der Welt je nach dem Erdraum unter dem ent-