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Des Vitruvius zehn Bücher über Architektur / übers. und durch Anmerkungen und Risse erläutert von Franz Reber
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177
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! Regeln aber dieß bewerkstelligt werde, das obliegt mir Nun vorzu-

! tragen, und zuerst werde ich von der Anlage der Hosräume der Häu-

ser sprechen.

Die Höfe oder Atrien, die Seitengemächer, das LaVlinum und der Säulensaal,die Speisezimmer, Säle, Sprechsäle, Gemäldesale und ihre Größenmatze.

1. Die Hosräume sind in fünf Arten zu unterscheiden, welchenach ihrer Gestalt tuskisch, korinthisch, viersäulig, trauflos und über-deckt genannt werden.

Tuskisch sind diejenigen Höfe, bei welchen die in der Breite desAtriumsgelegten Querbalken wagrechte und (ohne Wandauflager)schwebende Unterbalken, schräge von den Ecken der Wände an dieEcken der Unterbalken laufende Dachbalken und ferner ein in derMitte offenes Dach tragen, das mit schräg abwärts gerichteten Lattennach der Mitte zu ableitet.

Bei den korinthischen werden Balken und das in der Mitteoffene Dach auf dieselbe Weise eingerichtet, aber die von den Wändenheraustretenden Balken werden ringsum auf Säulen gelegt.

Viersäulige sind diejenigen, welche durch Säulen, die den Eck-balken untergestellt sind, das Balkenwerk unterstützen und festigen,indem dadurch die Eckbalken weder ihre eigene Schwere tragen müssen,noch von den wagrecht schwebenden Unterbalken belastet werden ^).

*) Das hier vorkommendeatriun," für ,,eavum aeckium", die sonst ein-gehaltene Reihenfolge, der ganze Zusammenhang und endlich die besondere Be-sprechung des SäulenhofeS (§. 7) bestimmen mich, die Identität deS cavumaeclium und atrium aufrecht zu halten. Vgl. übrigens Becker, 6aIIus. m. Allst.

2) Der tragenden Querbalken waren zwei, wie auch der schwebenden Un-terbalken, auf welchen letzteren das untere Ende des Daches der Langseite ruhte,wie auf den ersteren das der Breitseite. Ich sehe mich nicht veranlaßt, eom-pluvium hier mit Marini in lmpiuvium umzuwandeln, denn es ist nur vomDache die Rede.

5- Diese Höfe sind, von den vier Säulen abgesehen, sonst ganz wie dietürkischen; die Eckbalken, d. h. diejenigen, welche durch die auf ihnen liegendenttnterbalken die Dachecken bilden, sind nichts anderes, als die Querbalken. DieseArt sollte daher der korinthischen vorauSstehen, welche ringsum Säulen hat,von welchen jede einen von der Wand aus vorspringenden Deckenbalken trug,BitruviuS, Architektur. 12