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Des Vitruvius zehn Bücher über Architektur / übers. und durch Anmerkungen und Risse erläutert von Franz Reber
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Salons herstellen soll, so führe man sie ein und ein halbmal so hoch,als sie breit sind, auf'). Die Gemäldesäle find, wie die Sprech-säle, in namhafter Größe anzulegen,i Die korinthischen Säle und die viersäuligen und die sogenannten! ägyptischen sollen ein Verhältniß der Länge zur Breite haben,j wie es oben bei den zusammenstimmenden Maßverhältniffen derI Speisesäle beschrieben worden ist ^), aber wegen der Zwischenstellung§ von Säulen müssen sie geräumiger angelegt werden. 9. Zwischen

> den korinthischen und ägyptischen Sälen aber ist der Unterschied die-ser: die korinthischen haben einfache Säulen, entweder auf einen! Sockel, oder aus den Boden gestellt, und darüber Architrav und Ge-! simse entweder von Holz oder Stückwerk; außerdem über dem Gesimse! eine nach der Zirkellinie gewölbte Decke 5). Bei den ägyptischen

> Sälen aber sind über den Säulen Architrave und von den Architra-!ven zu den Wänden Deckbalken zu legen, und über dem Deckengetäfel!ein Fußboden, damit oben unter freiem Himmel ein Umgang sei.^Dann sind auf den Architrav in senkrechter Linie mit den unteren^ Säulen andere zu stellen, die um ein Viertheil kleiner sind, und überihren Architraven und Gebälkzierden soll eine mit Cassetten (Decken-feldern) verzierte Decke angebracht werden, und zwischen den oberenSäulen sollen Fenster angebracht werden: so scheinen sie mit den!Basiliken und nicht mit den Speisesälen Ähnlichkeit zu haben ^).

' *) Vgl. dieselbe Angabe über quadratische Curie« Buch V. Kap. 2 mit

! Anmerkung.

2) DaS Folgende behandelt die Säle nicht mehr nach dem Zweck, sondernnach der Ausstattung; eS sind zunächst als Speisesäle dienende Festsäle.

^ 2) D. h. nicht dieselbe Länge und Breite, sondern die Länge zur Breite

!in demselben Verhältnisse.

^ §) D. h. nur in einer Reihe, nicht in zwei Geschossen über einander.

6) Ich lese hier eurva I-eeunaria eireinum ckelineata statt äelum-,batL. Meine Vorgänger bringen aus dem offenbar cvrrumpirten Worte einen! gedrückten Bogen zum Vorscheine. Wahrscheinlich waren bei dieser Art von!Sälen, wie das noch viele römische Ruinen zeigen, die Säulen ganz an diejWand gerückt, während bei den sog. ägyptischen Sälen ein Säulengang rings,!um lief, dessen Decke einen außerhalb des Obergeschosses deS Saaleö herumfüh-renden offenen Gang trug.

k>) Der Unterschied der Basiliken und der sogenannten ägyptischen Sälen!ist der, paß bei den ersteren der obere Gäulengang innerhalb des Gebäudes,