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Des Vitruvius zehn Bücher über Architektur / übers. und durch Anmerkungen und Risse erläutert von Franz Reber
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Gips beigemischt werden, sondern sie müssen aus Marmorpulver, undzwar in ununterbrochener Arbeit, hergestellt werden, damit durch 'frühere Arbeit nicht der Nachtheil entstehe, daß die Sache nicht gleich-mäßig trockne. Auch vermeide man bei Anlage von gewölbten Kam- ^mern die Art und Weise früherer Baumeister, weil die Ausladungder nach Art jener hergestellten Gesimse, die mit großer Schwere !überhängt, gefahrdrohend ist.

4. Von den Gesimsen aber kommen bald glatte, bald verzierte

zur Anwendung. In Zimmern, wo entweder eine Feuerstelle ist, oder !wo mehrere Lichter gestellt werden, müssen sie glatt sein, damit sie >um so leichter abgekehrt werden können; in Sommergemächern da-gegen und in Exedren (Sprechsälen), wo Rauch und Ruß am we-nigsten Schaden anrichten können, sind sie ornamentirt herzustellen.Immer aber schlägt sich der Rauch nicht blos von den eigenen, son-dern auch von benachbarten Häusern an dem Weißstuck, dessen blen-dendes Weiß sehr empfindlich ist, nieder.

5. Nachdem die Gesimse hergestellt sind, bewerse man dieWände möglichst rauh, nachher aber bringe man über dem trockenenRauhanwurf den seinsandigen Verputz so an, daß die Richtung genaueingehalten werde, nach der Länge dem Richtscheit und der Schnur,nach der Höhe dem Senkblei und in den Ecken dem Winkelmaße ent-sprechend. So aber wird die Oberfläche des Verputzes für Gemäldetadellos werden. Während der Anwurf trocknet, füge man einenzweiten und dritten hinzu, denn je besseren Grund der seinsandige ^Anwurf hat, desto mehr steigert sich die Festigkeit und Dauerhaftig-keit des Verputzes.

6. Nachdem außer dem Rauhanwurf nicht weniger als dreiSchichten feinsandigen Mörtels angebracht sind, so mache man dann ^einen Anwurf von grobgestoßenem Marmor zurecht, welches Material >so hergestellt wird, daß es beim Abarbeiten nicht an der Mörtel-scharre hängen bleibt, sondern daß man das Eisen rein aus der Mör- !teltruhe herauszieht. Ist der grobe Anwurf hergestellt und im Trock-nen begriffen, so werfe man eine zweite Schicht aus mittelseinemMarmorstuck an: ist diese verputzt und gut abgeschliffen, so werftman noch feineren an. So werden die Wände, nachdem sie durch