drei feinsandige und durch drei Marmorstuckschichten dauerhaft her-gestellt sind, weder Risse bekommen, noch in anderer Weise schadhaftwerden können.
7. Wenn aber die Festigkeit des Verputzes durch den Putzhobelnoch mehr gesichert und derselbe bis zum harten Marmorglanz ge-glättet ist, werden sie in den gleichzeitig mit dem Verputzen aufgetra-genen Farben einen schimmernden Glanz erhalten. Die Farben aberwerden, wenn sie sorgfältig auf nassen Verputz aufgetragen sind, sonicht schwinden, sondern von immerwährender Dauer sein, weil derKalk, nachdem dessen Feuchtigkeit in den Kalköfen herausgehitzt undderselbe porös und kraftlos gemacht ist, durch seine Trockenheit ge-zwungen alles, womit er nur immer in Berührung kömmt, an sichzieht und, durch Vermischung mit den von anderen Stoffen beige-brachten Bestandtheilen oder Elementen zu einem einzigen festenKörper erhärtend, in einen Zustand versetzt wird, daß er, aus welchenBestandtheilen immer er dann bestehen mag, nachdem er trocken ge-worden, die seiner Natur von Haus aus eigene Beschaffenheit zuhaben scheint.
8. So wird der Verputz, welcher richtig hergestellt ist, wederdurch Alter rauh, noch läßt er, wenn er abgekehrt wird, die Farben,wenn diese nicht mit zu wenig Sorgfalt oder aus trockenem Grundeaufgetragen find. Wenn also der Verputz an den Wänden so aus-geführt worden ist, wie dieß oben beschrieben wurde, so wird er so-wohl Dauerhaftigkeit als Glanz haben und seine Trefflichkeit bis zuhohem Alter dauernd bewahren. Wenn dagegen nur eine Schichtvon feinsandigem und eine von Marmorpulver-Verputz angebrachtist, so wird der dünne Verputz nicht stark genug sein und zerklüften,und wird bei dem Poliren wegen der geringen Dicke den gehörigenGlanz nicht erlangen. 9. Denn wie ein aus dünnem Blech gear-beiteter Silberspiegel nur undeutliche und matt glänzende Reflexegibt, ein aus dickem Material getriebener aber, der eine kräftige Po-litur aushält, den Hineinsehenden glänzende und deutliche Bilderzurückgibt, so bekömmt auch der Verputz, welcher aus einer dünnerenSchicht besteht, nicht blos Risse , sondern erblindet auch bald. Der-jenige aber, welcher durch häufige Lager von feinsandigem und vonMarmormaterial gehörig dick ist, wird nach öfter wiederholten Glät-
Vitruvius, Architektur. 14