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Des Vitruvius zehn Bücher über Architektur / übers. und durch Anmerkungen und Risse erläutert von Franz Reber
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zum Theil mit Gummi versetzt und dient so als Tinte, während dasUebrige von den Verputzarbeitern unter Beimischung von Leim anden Wänden verwendet wird.

3. Ist aber solches Material nicht fertig zur Hand, so ist, da-mit die Arbeit durch langwieriges Warten nicht ausgehalten wird,dem Drang der Umstände in folgender Weise Rechnung zu tragen.Man verbrenne Reisig oder Kienspäne; sobald sie in Kohlen ver-wandelt sind, lösche man sie aus: dann zermalme man sie m einemMörser unter Beifügung von Leim, so wird das Schwarz den Ver-putzarbeitern nicht unentsprechend sein. Nicht minder wird auchWeinhefe, getrocknet, in einem Glühofen zu Kohle gebrannt undunter Zusatz von Leim gemahlen, zum Anstrich verwendet, und er-reicht nahezu den weichen Ton des gewöhnlichen Schwarz, und jebesser der Wein, aus dem sie gewonnen, desto mehr wird sie nichtblos das gewöhnliche, sondern auch das Indische Schwarz (Tusche)ersetzen.

Mitrtz Auprte!.

Stahlblau und gebrannter Ocker.

(X.) 1. Die Bereitung des Stahlblau wurde zuerst in Alexan-drien erfunden, später errichtete Vestorius auch zu Puteoli eine Fabrik.Sein Entstehen und die Dinge, aus welchen bestehend diese Farbeerfunden worden ist, sind in der That merkwürdig. Es wird nämlichSand mit kohlensaurem Natron so fein gemahlen, daß er wie Mehlwird, mit kyprischem Kupfer, das mit groben Feilen wie Raspel-späne verarbeitet wird, gemischt und (mit Wasser) besprengt, damites sich zusammenballt; dann werden durch Drehen mit der Handdaraus Ballen geformt und so zusammen aufgestellt^, daß sie trock-nen; wenn sie trocken sind, kommen sie zusammen in einen irdenenTopf und dieser in einen Glühofen. So verlieren sowohl dasKupfer, als jener Sand, indem sie, durch die Heftigkeit des Feuerszusammenschmelzend, sich verbinden, wechselseitig ihre Ausdünstungübertragend und annehmend, ihre Eigenthümlichkeiten und ihre ganze

I) eoliigantur. Marini vermuthet,an einer Schnur aneinandergereiht".