Buch 
Des Vitruvius zehn Bücher über Architektur / übers. und durch Anmerkungen und Risse erläutert von Franz Reber
Entstehung
Seite
224
JPEG-Download
 

224

Wesenheit, und werden, durch die Heftigkeit des Feuers ganz ver-arbeitet, in stahlblaue Farbe verwandelt.

2. Der gebrannte Ocker dagegen,, welcher in der Wandmalereisehr nützlich ist, wird so bereitet: Man erhitzt eine Scholle von gutemBerggelb so, daß sie im Feuer glühend wird, dann aber kühlt mansie mit Essig ab und erzeugt dadurch eine purpurne ^ Farbe.

ZlvöMß Kapitel.

Bleiweiß, Kupfergrün und (künstlicher) Sandarach.

(XI.) 1. Auch das anzugeben, wie Bleiweiß, Kupfergrün, welchesbei uns Aeruca heißt, und (künstlicher) Sandarach bereitet werden, istjetzt am Orte. Dieß geschieht also: die Rhodier gießen Essig inFässer und schichten Reisig darüber, auf welches sie Bleiklumpenlegen; dann verschließen sie diese dicht mit den Deckeln, daß derEssigdunst keinen Ausweg finden könne, und wenn sie dieselben nacheiner bestimmten Zeit wieder öffnen, finden sie die Bleiklumpen inBleiweiß verwandelt. Nach demselben Verfahren machen sie, indemsie dünne Kupferbleche in die Fässer legen, das Kupfergrün, welchesAeruca genannt wird. 2. Wenn dagegen Bleiweiß in einem Ofenerhitzt wird, so ändert es die Farbe und wird durch Brennen zumSandarach. Dieß aber hat man durch eine Feuersbrunst zufälliggelernt 2), und gerade dieser Sandarach bewährt sich als brauchbarer,als derjenige, welcher schon als solcher in Bergwerken gegraben wird.

Dreizehntes Kapitel.

Purpurfarbe.

(XII.) 1. Ich beginne nun von der Purpurfarbe zu sprechen,welchevor allen genannten Farben beim Anblick den kostbarsten und herr-lichsten Genuß gewährt. Man gewinnt sie aus einem Seeschalthier,

1) Dunkel, doch bekanntlich mehr braunroth.

2) Durch eine Feuersbrunst im PeiräeuS (Plin. XXXV. 20). Wie schv"oben erwähnt, heißt dieser künstliche Sandarach, jetzt Mennig.