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Des Vitruvius zehn Bücher über Architektur / übers. und durch Anmerkungen und Risse erläutert von Franz Reber
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arbeiter attischen Ocker ersetzen wollen, wersen sie getrocknete Levkojen')in ein Gesäß mit Wasser und sieden sie am Feuer; wenn dieß danngehörig geschehen ist, schütten sie dieselben über ein Linnentuch,und dieß mit den Händen auspressend, sammeln sie das von denLevkojen gesärbte Wasser in einem Mörser, schütten Kreide dazu underlangen, diese zerstampfend, eine Farbe, wie die des attischen Ockers.2. Nack demselben Verfahren Hyacinthen 2) auskochend und mitMilch mischend, machen sie eine stattliche Purpurfarbe. Diejenigenferner, die sich des Berggrün wegen seines hohen Preises nicht bedie-nen können, färben das Stahlblau mit einem Kraute, welches Lutum(Gilbkraut) genannt wird, und haben dann ein intensives Grün zuihrer Verfügung. Dieses aber wird das gefärbte Berggrün genannt.Ferner färben sie aus Mangel an Indigo selinusische oder Ringkreidemit der Waidpflanze, welche die Griechen Isatis nennen, und ersetzendadurch den Indigo.

3. Durch welches Verfahren und womit der Verputz je nachden Verhältnissen dauerhaft gemacht und wie die Gemälde in einerder Kunst geziemenden Weise ausgeführt werden müssen, ferner welcheEigenschaften alle Farben in sich tragen, das habe ich, so weit dießin meiner Macht stand, in diesem Buche behandelt. Und so ist dieHerstellung aller Gebäudearten und die entsprechende Berechnung,welche ihr zu Grunde liegen soll, in den sieben Büchern zum Abschlußgebracht: in dem folgenden aber werde ich von dem Wasser handeln,und entwickeln, auf welche Weise man an den Orten, wo keines ist,dasselbe auffindet, durch welches Verfahren man es leitet und durchwelche Dinge man es erprobt, ob es gesund und tauglich sei.

vioiae. ES sind darunter wohl gelbe Blumen zu verstehen.

2) Nach der Benennung der Griechen, denn wir geben einer anderen Blumediesen Namen. Welche Blume aber die griechische Hyacinthe gewesen, ist zwei-felhaft, wahrscheinlich die Schwertlilie (Ovid. Metam. x. V. 210).