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Des Vitruvius zehn Bücher über Architektur / übers. und durch Anmerkungen und Risse erläutert von Franz Reber
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aus welchem jener Purpur bereitet wird, der für den denkenden Be-obachter nicht minder merkwürdig ist, als viele andere Dinge in derNatur, weil er nicht an allen Orten, wo er vorkommt, eine und die-selbe Farbe hat, sondern weil diese je nach der Himmelsgegend ihrebesonderen Nuancen hat. 2. So ist derjenige, welcher in Pontusund Galatien gesammelt wird, schwärzlich, weil diese Gegenden demNorden zunächst liegen; geht man in nordwestlicher Richtung, sofindet man ihn bläulich; der in den genau gegen Osten und Westenliegenden Gegenden gesammelte zeigt eine violette Farbe; derjenigedagegen, welcher in südlichen Gegenden gewonnen wird, erscheint inintensivem Roth, und so kommt dieser auch an der Insel Rhodosund an anderen derartigen Küsten, welche der Sonnenbahn am näch-sten liegen, vor. 3. Wenn aber diese Schalthiere gesammelt sind,spaltet man die Muscheln mit einem eisernen Instrumente ringsumauf, und es wird aus §em Spalte der purpurne Saft wie ThränenHeraustropfen, welcher ausgepreßt und durch Reiben in einem Mörserbereitet wird^): deswegen, weil die Farbe aus den Schalen vonSeemuschelthieren genommen wird, heißt sie Ostrum. Sie wirdaber wegen des Salzgehaltes schnell durstig, wenn sie nicht durchUmhüllung mit Honig geschützt wird.

Vierzehntes KnMel.

Farben, welche den Purpur, der attische Ocker, das Berggrün und denIndigo ersetzen.

(XIII.) 1. Man macht auch Purpurfarben dadurch, daß manKreide mit Krappwurzel und Hysginum färbt; nicht minder werdenauch andere Farben aus Blumen bereitet. Wenn daher die Verputz-

') Dabei fehlt offenbar die Angabe des mineralischen Zusatzes, ohne wel-chen die Wandfarbe unvollendet ist, und ohne welchen auch dasReiben in einemMörser" des Bitruv keinen Sinn gibt. Nach Pliniuö (XXXV. 26) war dieserZusatz Kreide.

2) Griechisch

3) Eine sichere Bestimmung des HySginum ist biö jetzt noch nicht gelun.gen: nur das erhellt aus Nikander (Msriaea V. 5N), daß es eine Pflanzemit rothen Blüthen sei-

Vitruviuö, Architektur. 15