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Des Vitruvius zehn Bücher über Architektur / übers. und durch Anmerkungen und Risse erläutert von Franz Reber
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Untersuchung des Wassers.

1. Die Untersuchung und Erprobung der Quellen aber ist auffolgende Weise vorzunehmen. Wenn sie selbst hervorquellen und offenzu Tage liegen, so beobachte und erforsche man, ehe man die Lei-^tungsarbeiten beginnt, genau, von welcher Gliederbeschaffenheit die-jenigen seien, die rings herum wohnen, und wenn diese kräftig sind,eine gesunde Hautfarbe haben, nicht an den Beinen leiden und nichttriefäugig sind,' so werden sie vollständig erprobt sein. Wenn fernerein neuer Brunnenquell gegraben wurde, und das Wasser, welchesman in ein korinthisches Gefäß oder in ein anderes von guter Bronzegespritzt hat, keine Flecken zurückläßt, so wird es sehr gut sein. Auchdas Wasser ferner, von welchem man in einem ehernen Gefäße gekocht,es dann eine Zeit lang stehen gelassen und endlich abgegossen hat,ohne daß sich ein sandiger oder schlammiger Niederschlag am Bodendes Gefäßes findet, wird vollkommen gebilligt werden können»2. Auch wenn Gemüse mit jenem Wasser in ein Gefäß gebracht undan's Feuer gesetzt schnell gar gekocht ist, so ist das Wasser als gutund gesund erwiesen. Nicht minder wird auch ein Quellwasser, wennes klar und durchsichtig ist und wenn, wohin es immer hingelangtoder hinfließt, dort weder Moos noch Binsen wachsen, noch ihr Bettvon irgend einem Niederschlage beschmutzt, sondern von reinem Aus-sehen sein wird, sich selbst als ein treffliches und sehr gesundes kenn-zeichnen.

Fünftes Inxftel.

Nivellirung zu Wasserleitungen und yiezu gehörige Instrumente.

1. Jetzt will ich von der Leitung des Wassers zu Wohnungenund Städten handeln. Das Erste, was man dabei vorzunehmen hat,ist das Nivelliren. Man nivellirt aber mit dem Diopter (Visir-instrument), oder mit der Wasserwage, oder mit dem Chorobat(Grundwage); allein am genauesten mit dem letzteren, weil Diopter