288
Liese ist ein weiches Kupferdrahttau gewunden, an dessen einem Endeder sogenannte Kork oder die Hohlscheibe, welche von dem Wassergehoben wird, befestigt ist, während an dem anderen ein Sandsackhängt, der ganz dasselbe Gewicht hat, wie der sogenannte Kork.
9. So wird dieß Sandgewicht, indem es in demselben Maße,in welchem der Kork vom Wasser gehoben wird, nach abwärts sinkt,die Welle drehen, die Welle aber die Scheibe, deren Drehung baldbewirkt, daß der größere Theil des Tbierkreises, bald, daß der kleinereTheil bei seinen Umdrehungen in der gehörigen Zeit die je nachJahreszeit ungleich langen Stunden bezeichnet. In den einzelnenSternbildern sind nämlich so viele Löcher, als jeder entsprechendeMonat Tage hat, ein in dieselbe eingestecktes Knöpschen, welches anden Uhren das Bild der Sonne zu tragen pflegt, zeigt die Stunden-langen an, und dieses Knöpschen, von einem Bohrloch in daS anderebis zum Ende eines Monats gesteckt, verfolgt seine Bahn. 10. Wiedaher die Sonne, während sie die Sternbilder der Reihe nach durch-zieht , die Tage und Stunden verlängert und verkürzt, so gibt andiesen Uhren das Knöpschen, von einem Loche zum andern täglich inder Linie gegen den Mittelpunkt weiterrückend, indem es in der einenZeit durch weitere, in der andern durch engere Räume kreist, inner-halb jeden Monats das Abbild der Stunden und Tage').
*) Eine schwierige Uhrenconstruktivn, an welcher auch Marini'S Auslegungund Verzeichnung scheiterte. Das zwar ist klar, daß, ähnlich der oben beschrie-benen Wasseruhr, durch daS Steigen des Wassers die Hebung deS Hohlschildesund dadurch die Umdrehung der Welle oben, über welche ein Kupferdrahttaugeschlungen ist, erzielt wird, und daß dadurch auch die Scheibe, auf welcherdas Gnvmon hier in Form eines KnöpfchenS oder Stiftes eingesteckt ist, lang-sam im Kreise herumgedreht wird. Auch das ist klar, daß, wenn vor dieseDrehscheibe ein Zifferblatt, aus einem Drahtnetz bestehend, so vorgespannt wird,daß eö feststeht, während sich die Scheibe darunter drehte, dann der Zeiger voneinem Stundenzeichen zum anderen wandernd, die Stunde bezeichne. Ganz un-verständlich aber ist aus Bitruv, wie das Drahtnetz beschaffen gewesen sei, umdie verschiedenen Stundenlängen in den verschiedenen Jahreszeiten zu geben.Er sagt nur, daß man das Knöpschen täglich versetzte, um dieß zu erzielen.Marini nun, dessen Wortkargheit darüber bei seiner sonstigen behaglichen Breitedie Unbehaglichkeit verräth, scheint anzunehmen, daS Drahtnetz-Zifferblatt habe,unserem ähnlich, die zwölf Ziffern unveränderlich behalten. Paßt aber das kreis-