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Des Vitruvius zehn Bücher über Architektur / übers. und durch Anmerkungen und Risse erläutert von Franz Reber
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bäum auf, hing daran quer wie einen Wagbalken im Gleichgewichteschwebend einen anderen, und brach mit diesem, indem er ihn fort-gesetzt zurückzog und wieder vorwärtsstieß, durch heftige Stöße in dieMauer von Gades eine Bresche. Der Kalchedonier ^ Geras fertigtezuerst aus Holzwerk ein Fußgestell mit daruntergesetzten Rädern undzimmerte darüber ein Gerüst aus aufrecht stehenden und quer darübergelegten Balken, und hing an dieses den Widder und brachte ausRindshäuten eine Schutzdecke an, damit diejenigen, welche an jenerMaschine zum Berennen der Mauern mit dem Widder beordert wären,mehr gesichert seien. Weil aber diese Maschine sich nur schwerfälligbewegte, brachte er dafür den Namen Widderschildkröte auf.

(XVII.) 3. Nachdem nun damit die ersten Versuche in der-artigen Maschinen gemacht waren, stellte später, als Philippos, desAmyntas Sohn, Byzantion belagerte, der Thessaler Polyeidos die-selben in mehreren und in handlicheren Arten her, und von diesembezogen Diades und Chares ^), welche unter Alexander dienten,diese Technik. Diades legt auch in seinen Schriften dar, daß er diebeweglichen Thürme erfunden habe, welche er auch zerlegt mit demHeere mitzuführen pflegte, ferner den Mauerbohrer und die Steig-maschine (Fallbrücke), vermittelst welcher man wie auf ebenem Bodenauf die Mauer gelangt, auch den Apparat zum Mauerschleifen, denRaben, welchen Einige Kranich nennen^). Nicht minder bedienteer sich auch des auf Räder gestellten Widders,,von dessen Herstellungs-art er eine Beschreibung hinterließ.

Nach diesem Gewährsmann aber soll die geringste Höhe füreinen Belazerungsthurm nicht unter sechzig und dessen Breite nicht

1) So die meisten Handschriften. SalmastuS setzt dafür nach Athenäus,welcher dieselbe Geschichte (nach AgesistratoS) erzählt, e»reliecloniu8. d. h. Car-Hi»Ainien8i8, was allerdings sehr viele Wahrscheinlichkeit für sich hat, da auchver Name 6er»8, statt des corrumpirten 6etera8 der Handschriften, aus Athe-naus bezogen werden mußte.

2) Schon früher in der Vorrede des siebenten Buches §. 14 erwähnt.

Athenäus nennt ihn den Verfasser eine- Buches über Mechanik.

Auch des Mitylenäerö ChareS, welcher nach Athenäus und Plutarch und »

Aulus Gellius eine Geschichte Alexanders des Großen schrieb, wurde, schon ander oben bezeichneten Stelle des siebenten Buches gedacht.

4) Davon noch Einiges am Schlüsse dieses Kapitels.

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