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Des Vitruvius zehn Bücher über Architektur / übers. und durch Anmerkungen und Risse erläutert von Franz Reber
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Solche Schildkröten aber, die zum Zwecke des Schanzgrabenshergestellt und auf griechisch Oryges (Grabwerkzeuge) genannt wer-den, haben alles Uebrige in der obenbeschriebenen Weise, nur dieStirnseite nicht, welche nach Art eines Dreieckwinkels nach vornespitz (kantig) hergestellt wird *), damit die von der Mauer aus ausdieselben abgeschleuderten Geschoße nickt rechtwinklig aus die Flächeder Stirnseite anprallen, sondern damit die innen befindlichen Schanz-gräber von den schräg an die Seiten treffenden Geschoßen ungefähr-det und davor geschützt wären.

2. (XIX.) Auch dünkt es mir am Platze zu sein, von derSchildkröte, die der Byzantiner Hegetor baute, nach ihrer Her-stellungsweise zu handeln. Es war nämlich deren Rost dreiund-sechzig Fuß lÄng, zweiundvierzig Fuß breit 2). Die vier über denRostrahmen gestellten Ständer waren aus je zwei Balken zusammen-gezimmert und maßen sechsunddreißig Fuß in der Länge, ein einviertel Fuß in der Dicke, anderthalb in der Breite. Der Rost hatteacht Räder, vermittelst deren die Maschine in Bewegung gesetzt wird;die Höhe dieser Räder aber betrug sechs drei viertel, die Dicke dreiFuß; sie waren aus drei Holzklötzen mit wechselseitiger Schwalben-schwanzverzapfung gezimmert 3) und mit kaltgeschmiedeten Eisenbän-dern beschlagen, 3. und gingen in den Radständern (welche auch Ha-maxopodes genannt werden). Auf dem horizontalen Balkenrah-men"), der auf dem Roste lag, waren Ständer errichtet, achtzehnFuß hoch, drei Viertel breit, fünf Achtel (?) dick, und drei ViertelFuß von einander abstehend, und über diesen hielten fortlaufend

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Die Stirnseite dieser Schildkröte war demnach von der Gestalt unsereran Lokomotiven vorgesteckten Schneegräbcr. l'il

2) Die Maße sind hier und auch weiter unten nach den Parallelbeschrci- --

düngen bei Philon und Athenäus reetificirt.

Da der Durchmesser dieser Räder zu groß war. waren sie nicht mehraus einem Stücke. herstellbar. Die einzelnen drei Stücke eines Rades konnten Ä!

durch nichts solider verbunden werden, als durch Schwalbenschwanzverzapfung, stz

welche so eingerichtet war, daß jedes Stück sowohl den Schwalbenschwanzzapfen U

für den entsprechenden Ausschnitt des benachbarten Stückes, als auch den Aus- ««

schnitt für den Schwalbenschwanzzapfen desselben benachbarten Stückes hatte. K

Vgl. Fig. 39 pg. und Anm. I S. 344.