Gestalten und Geschicke
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alle Frau, aber arbeiten und essen möge sie gottlob. KeineMiene verzog sich ob dieser Antwort. „Nicht am Menschenist die Krankheit, sondern an den Erdapfeln. Sind deineStauden nicht auch schwarz und stinken schrecklich?" rief's vonallen Seiten. „Weiß nichts", sagte Käthi. „Habe sie seiteinigen Tagen nicht gesehen. Aber es wird nicht sein; bineine alte Frau und habe von solcher Krankheit nie gehört."Da sagte ihr eine Bekannte, die Zeitungen hätten schon langedavon gestürmt, aber man habe sich dessen nicht viel geachtetund gedacht, das sei gerade so wie das andere Eestürme, wodas Halbe nicht wahr sei und das andere Halbe gelogen.Aber jetzt sei die Krankheit da, kein Mensch wisse woher.Schwarz wie ein Leichentuch seien alle Acker; es sei eine grau-same Pestilenz. „Die Erdapfel haben Pestilenzflecken, undwer davon ißt, Mensch oder Vieh, muß sterben. Denk, o Käthi,was soll man essen bis das andere Jahr?"
Von allen Seiten her kamen mehr und mehr Menschen,brachten von allen Seilen her Bericht, daß die Pestilenz auchbei ihnen sei, alles schwarz. Niemand weinte, aber Ratlosig-keit, Trostlosigkeit lag auf allen Gesichtern. Es war einDonnerschlag aus Hellem Himmel; in Angst, wie versteinertstanden die Menschen, wie das Vöglein vor der Schlange ver-steinert, deren Beute es im nächsten Augenblicke werden wird.
Auch Käthi war wie vom Schlage gerührt, vermochte kaumdie zitternden Glieder zum Krämer zu schleppen; die Krä-merin konnte kaum das Öl ausmessen, so zitterten ihr dieHände. „Es wird nicht sein, es kann nicht sein, so wird unserHerrgott uns doch nicht heimsuchen," seufzten beide. Aber wiein heißen Fiebern kein Trank den Durst löscht, so stillte keinSeufzen ihr Bangen. Die Angst zog Käthi heim, die zit-ternden Beine wollten nicht fort, der Atem stockte in der ge-preßten Brust; stillestehen, absitzen mußte Käthi manchmal,ehe sie zu ihren Erdäpfeln kam. Es war Nacht geworden,mondlos der Himmel; an demselben glitzerten viele Sterne,und doch war es finster auf Erden, ungefähr wie es bei vielemWissen doch dunkel bleibt in der Seele. An den Erdäpfelnwar nichts zu sehen, wie Käthi auch die Augen anstrengenmochte. In der Ungewißheit bleiben eine liebe Nacht durchkonnte Käthi nicht. Sie ging heim, zündete die Lampe an,stellte sie in ein Laternchen und eilte wieder den Erdäpfelnzu, hintendrein Johannesli, der wissen wollte, was das gebe,
Deutsche» Lesebuch für unter« Mittelschulen, II. Band. g