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Zweiter Band.
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256
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256 2m Jahresring

126. Am Weihnachtstag.

Von Annette v. Droste-Hülshoff.

1. Still ist die Nacht; in seinem Zelt geborgen,Der Schriftgelehrte späht mit finstren Sorgen,Wann Judas mächtiger Tyrann erscheint;

Den Vorhang lüftet er, nachstarrend langeDem Stern, der gleitet über Äthers Wange,

Wie Freudenzähre, die der Himmel weint.

2. Und fern vom Zelte über einem Stalle,

Da ist's, als ob aufs niedre Dach er falle;

In tausend Radien sein Licht er gießt.

Ein Meteor, so dachte der Gelehrte,

Als langsam er zu seinen Büchern kehrte.

O weißt du, wen das niedre Dach umschließt?

3. In einer Krippe ruht ein neugeboren

Und schlummernd Kindlein; wie im Traum verlorenDie Mutter kniet, Weib und Jungfrau doch;

Ein ernster, schlichter Mann rückt tief erschüttertDas Lager ihnen; seine Rechte zittertDem Schleier nahe um den Mantel noch.

4. Und an der Türe stehn geringe Leute,

MLHsel'ge Hirten, doch die ersten heute,

Und in den Lüften klingt es süß und lind,

Verlorne Töne von der Engel Liede:

Dem Höchsten Ehr' und allen Menschen Friede,

Die eines guten Willens sind."

127. Weihnachtsabend.

Von Theodor Storni.

1. Die fremde Stadt durchschritt ich sorgenvoll,

Der Kinder denkend, die ich ließ zu Haus.Weihnachten war's, durch alle Gassen schollDer Kinderjubel und des Markts Gebraus.

2. Und wie der Menschenstrom mich fortgespült,Drang mir ein heiser Stimmlein in das Ohr:Kauft, lieber Herr!" Ein magres Händchen hieltFeilbietend mir ein ärmlich Spielzeug vor.

3. Ich schrak empor, und beim LaternenscheinSah ich ein bleiches Kinderangesicht;

Wes Alters und Geschlechts es mochte sein,Erkannt' ich im Vorübertreiben nicht.