Band 
Zweiter Band.
Seite
304
JPEG-Download
 

304

Heimat und Vaterland

alles in der Sonne glänzt, als wäre über eine prangendeSommerlandschaft eine weiße Decke gebreitet.

Der dichte Laubschmuck von Wesen und die an den steinigenHalden gezogene Rebe machen den Platz zu einem wahrenTore des Südens; ähnlich wie im Bergell blickt man ausder üppigsten Vegetation hinauf in die klaren, aber kühlenRegionen der Alpenweiden und auf Fels und Schnee. Derromantische Pfad freilich, der einst nach Amden hinaufführte,ist der Landstraße gewichen; die köstlichen Ausblicke zwischenden Felsen und Bäumen auf den See hinaus sind verschwun-den; aber noch steht hinter dem Städtchen der Speer mitseiner herrlichen Aussicht auf den Zürichsee und das Toggen-burg und auf die glitzernden Schneefelder des Glarnerlands,ein stets gleich lockendes Reiseziel.

159. Stimmungsbild.

Von Heinrich Leuthold.

-1. Rings Wald und Moor. Wie schwül die Luft!

Die Wildnis hier, wie abgelegen!

Gleich einer dunkelgrünen GruftGähnt schweigend mir der See entgegen.

2. Ein Wasserhuhn huscht scheu emporUnd duckt sich wieder unterm Schilfe:

Gedehnt und wimmernd tönt vom MoorEin Laut oft, wie ein Ruf um Hilfe.

3. Ein Geier schwebt mit schrillem PfiffHoch über meinem Haupt im Blauen . . .

Am Strande liegt ein leckes Schiff,

Wie eine Leiche anzuschauen.

4. Und fernher kalt und feierlich

Ragt das Eebirg mit seinen Gletschern;

Es spiegelt in den Wellen sich,

Die ums versunkne Pfahldorf plätschern.

189. Reife über die Furka.

Von Johann Wolfgang Goethe.

Realp, den 12. Nov. 1779, abends.

Mit einbrechender Nacht sind wir hier angekommen. Esist überstanden und der Knoten, der uns den Weg verstrickte,entzwei geschnitten. Eh' ich Ihnen sage, wo wir eingekehrt