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Zweiter Band.
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Dichterleben

Schuster und Schneider einverstanden, ihrer Vaterstadt imFall der Not beizustehen; unsere braven Sachsenhäuser sindaufs Quartieramt gegangen und haben gebeten, wann Trup-pen zum Einquartieren kämen, so möchte man sie ihnengeben, Leute, die ein Stübgen haben und größtenteils un-bemittelt sind; unsere Metzger haben fast keine Hemden mehr,sie haben sie alle in die Hospitäler getragen, und das allesaus gutem Herzen und freiem Willen es ist niemandeingefallen, ihnen so was zuzumuten, nun verwunder'man sich noch, daß Frankfurt reich wird, grünt und blüht!Gott muß ja das belohnen! Jetzt genug von meinen bravenLandsleuten, wogegen sich alle anderen Reichsstädte ver-kriechen müssen. Die Schachtel mit dem langen Brief undden Bonbon wirst du nun haben. Lebe wohl! Ich bin

Deine treue deutsche MutterGoethe.

1SS. Der Sänger.

Von Johann Wolfgang Goethe.

1.Was hör' ich draußen vor demWas auf der Brücke schallen? fTor,Laß den Gesang vor unserm OhrIm Saale widerhallen!"

Der König sprach's, der Page lief;Der Knabe kam, der König rief:Laßt mir herein den Alten!"

2.Eegrüßet seid mir, edle Herrn,Gegrüßt ihr, schöne Damen!

Welch reicher Himmel! Stern beiWer kennet ihre Namen? sStern!Im Saal voll Pracht und HerrlichkeitSchließt, Augen, euch; hier ist nichtSich staunend zu ergötzen!" sZeit,

3. Der Sänger drückt'die Augen einUnd schlug in vollen Tönen;

Die Ritter schauten mutig dreinUnd in den Schoß die Schönen.

Der König, dem das Lied gefiel,Ließ, ihn zu ehren für sein Spiel,Eine goldne Kette reichen.

4.Die goldne Kette gib mir nicht.Die Kette gib den Rittern,

Vor deren kühnem AngesichtDer Feinde Lanzen splittern!

Gib sie dem Kanzler, den du hast,Und laß ihn noch die goldne LastZu andern Lasten tragen!

5. Ich singe, wie der Vogel singt,Der in den Zweigen wohnet;

Das Lied, das aus der Kehle dringt,Ist Lohn, der reichlich lohnet;

Doch darf ich bitten, bitt' ich eins:Laß mir den besten Becher WeinsIn purem Golde reichen!"

8. Er setzt' ihn an, er trank ihn aus:O, Trank voll süßer Labe!

O, wohl dem hochbeglückten Haus,Wo das ist kleine Gabe!

Ergeht's euch wohl, so denkt an mich,Und danket Gott so warm, als ichFür diesen Trunk euch danke!"