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Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten der Schweiz / von Jakob Baechtold
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164
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164 Empfang auf den Freundschaftsinseln (1773).

wäre, von Zeit zu Zeit europäische Schisse bei sich zu sehen: Alleindies verhielt sich gerade umgekehrt, denn bisher hatten sie wohl nochkeinen Europäer unter sich gesehen, auch konnten sie von Tasmanns ehe-maliger Anwesenheit auf der benachbarten Insel Amsterdam höchstensnur vom Hörensagen etwas wissen. Bei so bewandten Umständenwaren wir allerdings berechtigt, uns nach dieser Aufnahme von ihrerGemütsart die vorteilhaftesten Begriffe zu machen. Sie mußten vonNatur offenherzig und edelmütig gesinnt und über alles niedrige Miß-trauen weit erhaben sein. Was dieses günstige Urteil noch mehrbestätigte, war, daß sich auch eine große Anzahl von Frauenspersonenunter ihnen befand, welche die indianischen Nationen sonst mehren-teils von den Fremden entfernt zu halten Pflegen. Diese hier warenvon den Hüften an bis auf die Füße bekleidet und schienen unsdurch ein gutherziges, freundliches Lächeln einzuladen, daß wir ge-trost näher kommen möchten. Herr Hodges entwarf von dieser merk-würdigen, freundschaftlichen Aufnahme ein schönes Gemälde, welcheszu Kapitän Cooks Nachricht von dieser Reise gestochen ist. Doch ichkehre zur Geschichte um: Wir verweilten uns nicht lange auf derKüste, sondern folgten dem Befehlshaber, der uns weiter in's Land zugehen bat. Vom Seeufer ab war der Boden etliche Schritt weitziemlich steil, dann aber dehnte er sich in eine schöne, ebene Wieseaus, die mit hohen Bäumen und dickem Buschwerke umgeben war,sodaß man nur nach der See hin eine freie Aussicht hatte. AmEnde dieser Wiese, ungefähr 150 Schritte weit vom Landungsplätze,stand ein sehr hübsches Haus, dessen Dach bis zwei Fuß von derErde herabreichte. Der Weg, der auf dasselbe zuführte, ging durchvorgebuchte grüne Ebene, die so glatt und grasreich war, daß wiruns der schönsten Rasengründe in England dabei erinnerten. Sobaldwir bei dem Hause ankamen, nötigte man uns, innerhalb auszuruhen;der Fußboden war auf eine ungemein zierliche Weise mit den schönstenMatten ausgelegt, und in einer Ecke sahen wir eine bewegliche Ab-teilung von Korbmacherarbeit, hinter welcher, nach den Zeichen derEinwohner zu urteilen, die Schlafstelle war. Das Dach, welches anallen Seiten gegen den Boden herablief, bestand aus Sparren undrunden Knüppeln, die sehr genau miteinander verbunden und miteiner Matte von Bananenblättern bedeckt waren.

Kaum hatten wir in diesem Hause, von mehr denn hundertMenschen umringt, Platz genommen, als zwei oder drei Frauenzimmeruns mit einem Gesänge bewillkommten, der, so einfach die Melodieauch war, dennoch ganz angenehm und ungleich musikalischer klang,als die Lieder der Tahitier. Die Sängerinnen hatten ungemein wohl-klingende Stimmen und sekundierten sich untereinander; zu gleicher Zeit