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Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten der Schweiz / von Jakob Baechtold
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279
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Alls Homers Jlias.

279

Jetzt auch zween der Geliebten, Lykaon samt Polydoros,

Schau' ich nirgend im Heere der eingeschlossenen Troer,

Die mir Laothoe beide gebar, die Fürstin der Weiber.

25 Wenn sie nur noch leben im Kriegsheer, wieder hinfort dannKönnt' ich mit Erz und Gold sie befrein; denn ich habe daheim ja.Vieles ja gab der Tochter der graue gepriesene Altes.

Sind sie jedoch schon tot und in A'ides Schattenbehausung,

Gram dann füllt mir das Herz und der Mutter, die wir sie zeugten.30 Aber das übrige Volk wird weniger jene betrauern,

Wenn nur du nicht stirbst, von Achilleus' Stärke gebändigt!

Komm denn herein in die Stadt, mein Trautester, daß du errettestTrojas Männer und Frau'n, daß nicht mit Ruhm du verherrlichstPeleus' Sohn und selber dein süßes Leben verlierest!

35 Auch erbarme dich mein, des Elenden, weil ich noch atme,

Ach des Jammervollen, den Zeus an der Schwelle des AltersStraft zu schwinden in Gram und unendliches Weh zu erblicken:Meine Söhn' erwürgt und hinweggerissen die Töchter,Ausgeplündert die Kammern der Burg, und die stammelnden Kinder40 Hin aus den Boden geschmettert, in schreckenvoller Entscheidung,Auch die Schnüre geschleppt von der grausamen Hand der Achaier!Selber zuletzt wohl lieg' ich zerfleischt am Tor des PalastesVon blutgierigen Hunden, nachdem ein mordendes Erz mir,Zuckend oder geschnellt, den Geist aus den Gliedern hinwegnahm;45 Die ich im Hause genährt am Tisch, zu Hütern des Tores,

Sie dann lecken mein Blut, und wild von rasendem WahnsinnLiegen sie vorn am Tor. Dem Jünglinge stehet es wohl an,Wenn er im Streit erschlagen, zerfleischt von der Schärfe des Erzes,Da liegt; schön ist alles im Tode noch, was auch erscheinet.

50 Aber wird das grauende Haupt und der grauende Bart nun,

Auch der Leib von Hunden entstellt dem ermordeten Greise,

Das ist traun das kläglichste Leid den elenden Menschen!"

Also der Greis und raufte sich graues Haar mit den HändenRings von dem Haupt; doch nicht war Hektors Geist zu bewegen.55 Auch die Mutter zunächst wehklagete, Tränen vergießend,

Trennte des Busens Gewand und erhob die Brust mit der Linken;So von Tränen benetzt die geflügelten Worte begann sie:

Hektor! scheue, mein Sohn, den Anblick, ach und erbarm' dichMeiner selbst! Wo ich je die stillende Brust dir geboten,

00 Denke mir des, mein Kind, und wehre dem schrecklichen ManneHier, in die Blauer gerettet! nur dort nicht stelle dich jenem!Rasender! Wenn er sogar dich ermordete, nimmer beweint' ichDich auf Leichengewanden, du trautester Sprößling des Schoßes,