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Die Hochzeit des Theseus.
Ein Mädelreigen springt in Heller FreudeUm das von Schande triefende Gebäude,
Den blühnden Veilchenkranz im Haar.
6. Der Manlierstirn verzogne Brauen grollen;
Des Claudierkopfs erhitzte Augen rollen —
Der Hirtenknabe geißelt wie ein Rind
Den Brutusenkel. Sich durchs Joch zu bücken,
Krümmt jetzt das erste Römerpaar den Rücken,
Und gellend lacht das Alpenkind.
7. Mit starren Zügen blickt, als ob er spotte,
Ein Felsenblock, der eigen ist dem Gatte,
Drauf hoch des Landes Priesterinnen stehn:
Ein hell Geschöpf in sonnenlichten Flechten,
Und eine Drude mit geballter RechtenUnd rabenschwarzer Haare Wehn.
8. Die Dunkle höhnt: „Geht, Römer! Schneidet Stecken!Wir rüsten euch zur Fahrt mit Bettelsäcken!
Euch peitsch' ein wildes Wetter durch die Schlucht!
Verflucht der Steg, darüber ihr gekommen;
Und wen ihr euch zum Führer habt genommen,
Er sei am ganzen Leib verflucht!"
9. Die Lichte fleht: „Du blitzest in den Lüften,
Umschwebst die Spitzen, nistest in den Klüften!
Behüte, Geist der Firn', uns lange noch!"
Die zweie singen starke Zauberlieder —
Ein Geier hangt im Blau und stößt daniederUnd setzt sich schreiend auf das Joch.
63. Die Hochzeit des Theseus.
Von Karl Spitteler.
Stolz bauschen sich die Segel, vom Morgenwind gebläht.
Vom Bug der Atalante der junge Theseus spähtUeber den Meeresspiegel, der Frohsinn blitzt und blaut,
Nach Minos' schöner Tochter, Ariadne, seiner Braut.
5 Kein Wölklein trübt den Himmel; kein Felsen droht, noch Riff.Im Tanze durch die Wellen fliegt das beschwingte Schiff.
Doch wie sie längs der Küste der äginetischen BuchtStreiften der Tempelhaine schattige Gartenflucht,