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Magnetismus der verschiedenen Körper,
magnetischen und schwach-magnetischen Stoffen unterscheiden. Hiernach würdensich vier Klassen von Stoffen ergeben, wenn nicht thatsächlich die eine vonihnen in der Natur fehlte und auch künstlich bisher noch nicht hergestelltworden wäre, nämlich die Klasse der stark diamagnetischen Stoffe. Ferner zeigendie schwach-magnetischen und die schwach-diamagnetischen Stoffe, eben wegender Schwäche ihrer Eigenschaften ein, abgesehen von der Gegensätzlichkeit ganzanaloges Verhalten, sodass kein Grund vorliegt, sie getrennt zu behandeln. Eherführt die experimentelle Verschiedenheit zu einer getrennten Behandlung derfesten, flüssigen und gasförmigen schwach-magnetischen Körper. Endlich ist zubeachten, dass bei diesen Erörterungen bisher ebenso wie im vorigen Artikelimmer stillschweigend angenommen worden ist, dass es sich um isotrope Körperhandelt; es ist also schliesslich ein Abschnitt über den Krystall-Magnetismus hin-zuzufügen. Uebrigens ist es verständlich, dass es auf einem Gebiete wie demvorliegenden, wo es sich um unzählige verschiedene Stoffe handelt, das Materialein besonders ausgedehntes ist, und es kann daher hier nur das Wichtigste Be-rücksichtigung finden.
Ferromagnetismus.
Für den Inbegriff der Erscheinungen, welche stark-magnetisirbare Stoffe dar-bieten, hat du Bois 1 ) den sehr zweckmässigen Namen Ferromagnetismus vor-geschlagen, der bis dahin vielfach, z. B. von W. Thomson, in weiterem Sinnegebraucht worden war; im Princip lässt sich natürlich keine untere Grenze für das,was man noch Ferromagnetismus nennen soll, angeben; die thatsächlichen Ver-hältnisse aber lehren, dass zu der genannten Gruppe nur sehr wenige Stoffe gehören,nämlich Eisen, Nickel und Kobalt, die unter dem Namen Stahl bekannten kohlen-haltigen Eisensorten und diejenige Verbindung des Eisens, welche als Magnet-eisenstein zuerst zur Entdeckung der magnetischen Erscheinungen geführt hat.
Eisen und Stahl. Die verschiedenen Eisen- und Stahlsorten unterscheidensich, von weniger wichtigen Umständen abgesehen, in chemischer und in physi-kalischer Hinsicht: in jener, insofern sie einen geringeren oder grösseren Betragvon Kohlenstoff enthalten, der bei Schmiedeeisen sehr gering ist, bei den Stahl-sorten ^ bis 1 1 #, bei Gusseisen 2—3§ und bei Spiegeleisen bis zu 5$ ausmacht;in dieser Hinsicht, insofern sie verschiedene Härte besitzen, vom weichstenSchmiedeeisen an bis zum glasharten Stahl. Ueber die Beziehung zwischendiesen beiden Eigenschaften und dem magnetischen Verhalten hatte man bis vorkurzem die folgende einfache und allgemein bekannt gewordene Vorstellung, die manaus dem zahlreichen, sich zum Theil freilich stark widersprechenden Beobachtungs-material entnehmen zu können glaubte. Je weicher und kohleärmer das Eisenist, desto stärkeren temporären Magnetismus nimmt es unter der Wirkung einer be-stimmten Kraft an, desto geringeren Magnetismus bewahrt es aber nach demAuihören dieser Kraft; die beiden Grenzfälle sind also die des reinen, ganzweichen Eisens, welches stark magnetisch, dann aber wieder völlig unmagnetischwird, und des glasharten Stahls, der einen verhältnissmässig nur geringen Magnetis-mus, diesen aber dauernd annimmt. Die Theorie der drehbaren Molekular-magnete und die Idee der Coercitivkraft machen nicht nur beide Erscheinungen,sondern auch ihren inneren Zusammenhang verständlich. Auch ergeben sichdann zwanglos zahlreiche weitere für die verschiedenen Eisensorten charakte-ristische Erscheinungen, wie das schnellere oder langsamere Ansteigen desMagnetismus mit der Kraft, der frühere oder spätere Eintritt der Sättigung, die
') du Bois, Wied. Ann. 46, pag. 485. 1892.