Aequivalenz von Strömen und Magneten.
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hiernach zunächst ganz allgemein den Satz aufstellen, dass in Bezug auf dieäussere magnetische Wirkung jedes Stromgebilde mit einem bestimmten magneti-schen Gebilde äquivalent ist, und man kann diesen Satz dann leicht für die ver-schiedenen Gebilde solcher Art specialisiren. So ist 1) ein geschlossener Stromäquivalent einer einfachen Schale, die, im Uebrigen von willkürlicher Gestalt, dieStromlinie zum Rand hat; 2) ein geradliniger Strom äquivalent einer magnetischenSchale, die sich von der Stromlinie als Rand aus in die Unendlichkeit erstreckt; 3)ein unendlich kleiner geschlossener Strom äquivalent einem einfachen Polpaare,dessen Axe auf der Stromebene senkrecht steht; 4) ein cylindrisch aneinandergereihtes System solcher unendlich kleiner, gleich starker, gleich grosser undgleich weit von einander abstehender Kreisströme, ein sogen. Solenoid, äquiva-lent einem einfachen Faden; 5) ein nach der einen Seite unbegrenztes derartigesSolenoid äquivalent einem Magnetpol; endlich 6) eine beliebige Spule äquivalenteinem bestimmten Magneten, dessen Form und Vertheilungsverhältnisse der Spuleentsprechende sind, also z. B. eine cylindrische Spule einem solenoidalenMagneten.
Zu diesen Aequivalenzsätzen sind noch einige Bemerkungen zu machen.
C l
1) Das Potential eines geschlossenen Stromes ist für den Einheitspol - <0, d. h.
gleich dem Produkte aus der scheinbaren Grösse und einem Faktor; bei einermagnetischen Schale ist dieser Faktor die magnetische Stärke der Schale(pag. 41), und man kann ganz entsprechend bei einem geschlossenen Strom denFaktor als Stromstärke bezeichnen, wenn man diese eben hierdurch definirt.Dieses Maass der Stromstärke heisst das elektromagnetische, und die Exaktheitund Bequemlichkeit der elektromagnetischen Messmethoden hat es mit sichgebracht, dass es das am meisten übliche Maass für elektrische Ströme gewordenist; nur hat man es noch durch 10 dividirt und nennt es alsdann Ampere;näheres hierüber findet man in dem Artikel über elektrische Maassbestimmungen(s. w. u.). Das Produkt der Stromstärke in die Zahl der Windungen wird, be-sonders in der Technik, AMPfeRE-Windung genannt. Mit Anwendung dieses Strom-maasses hat man nunmehr:
V = im (o -l- const.
2) In Analogie mit Früherem kann man V auch in der Form schreiben:
V = im\ ds -5— ,
J Ott
wo ds ein Element einer vom Strome eingeschlossenen Fläche, n die Normaledesselben und r seine Entfernung vom Pole ist.
3) Zur Vervollständigung der Aequivalenz ist noch zu ermitteln, welche Seiteneinander entsprechen; zu diesem Zwecke braucht man nur die AMPfeRE’sche Regelauf die verschiedenen obigen Formeln anzuwenden und erhält dann die folgendenFormulirungen: Wenn man in einem geschlossenen Strom oder einer Stromspulesich schwimmend denkt und dabei in das Innere hineinsieht, entspiicht die Seiteoder das Ende der Spule, das man zur Linken hat, der Nordseite einer Schaleresp. dem Nordpole eines Magneten, die rechte Seite resp. das rechte Ende derSüdseite resp. dem Südpole. Oder: Diejenige Seite eines geschlossenen Stromes,bei deren Betrachtung man den Strom dem Uhrzeiger entgegen kreisen sehenwürde, ist der Nordseite, die andere der Südseite einer magnetischen Schaleäquivalent, jene kann also als Nordseite des Stromes, diese als seine Südseitebezeichnet werden; ebenso für das Nordende und Südende einer Spule. Oder
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