Buch 
III/1 (1895) [Elektricität und Magnetismus (II)] / unter Mitwirkung von Prof. Dr. F. Auerbach, Dr. E. Brodhun, Prof. Dr. F. Braun, Dr. S. Czapski, Dr. P. Drude, Prof. Dr. K. Exner, Prof. Dr. W. Feussner, Dr. L. Grätz, Prof. Dr. H. Kayser, Prof. Dr. F. Melde, Prof. Dr. A. Oberbeck, Prof. Dr. J. Pernet, Dr. F. Pockels, Dr. K. Pulfrich, Prof. Dr. Fr. Stenger, Dr. R. Straubel, Dr. K. Waitz ; herausgegeben von Dr. A. Winkelmann
Entstehung
Seite
332
JPEG-Download
 

332

Elektromagnetismus.

einige Angaben gemacht worden, die sich aut Thomsons Versuche an Eisenbeziehen; hinzuzufügen sind Versuche von Barus und Strouhal 1 ) sowie vonEwing 2 ), deren Resultate mit denen von Thomson im grossen Ganzen überein-stimmen. Bachmetjew 3 ), der die Erscheinung näher verfolgte, fand, dass dieentstehende Kraft der magnetisirenden Kraft proportional ist, und dass sie, wennman den Eisendraht zunehmenden Spannungen unterwirft, abnimmt und unterUmständen sogar das Zeichen wechselt, sodass der Strom entgegengesetzt wievorher fliesst; er schliesst hieraus, dass die Wirkung eine secundäre und durchdie beim Magnetisiren auftretende Längenänderung bedingt sei. Grimaldi 4 ) hat dasWismuth (in einer Verbindung mit Kupfer) dem Versuch unterworfen und gefunden,dass käufliches Wismuth durch Magnetisirung gering, reines stärker thermoelektrischwirksam wird; bei der Quermagnetisirung ist die Wirkung stärker als bei derLängsmagnetisirung (ebenso wie oben der Einfluss auf die elektrische Leitungs-fähigkeit); der grösste von Grimaldi erzielte Werth der Aenderung des thermo-elektrischen Verhaltens beträgt 11$, ist also ungefähr ebenso gross, wie dieentsprechende Widerstandsänderung. Sie ist, wie man sieht, gross genug, umes wahrscheinlich zu machen, dass die in Rede stehende Erscheinung auf dieoben betrachteten Effekte nicht ohne Einfluss ist, wodurch diese letzteren sichnoch weiter verwickeln,

Theorie des Hall sehen Phänomens und der verwandten Er-scheinungen. Erwägt man die grosse Zahl der im Voranstehenden an-gedeuteten, mit einander in Verwandtschaft stehenden Phänomene, so begreift man,dass eine vollständige Theorie derselben ausserordentlich verwickelt sein muss.Man hat daher vorläufig nur Theorien entwickelt, welche als erste Annäherungzu betrachten sind, und die betreffende, durch die Theorie dargestellte Er-scheinung in erste Linie stellen, die übrigen, mit ihr verknüpften Erscheinungendagegen höchstens zum Theil und nur als Correktionsglieder berücksichtigen. Esmuss hier genügen, die Theorie eines dieser Phänomene, des HALLschen, zuskizziren, für die anderen aber, unter Hinweis auf ihre Darstellung in den schonoben citirten und noch zu citirenden Abhandlungen, zu bemerken, dass sie sehrähnlich und in den Formeln zum Theil sogar geradezu übereinstimmend mit dergenannten Theorie sind.

Voranzuschicken ist, dass, wie wohl jetzt keinem Zweifel mehr unterliegt,das HALLsche Phänomen eine unmittelbar elektromagnetische Erscheinung ist;von den entgegengesetzten Annahmen, die in der ersten Zeit nach der Entdeckunggemacht wurden, sei hier nur die inzwischen auch schon von verschiedenenSeiten widerlegte von Bidwell erwähnt, nach welcher die Erscheinung miteiner thermisch-elastischen Deformation der Platte Zusammenhängen soll 5 ).

Die Erscheinung beruht vielmehr auf den Kräften zwischen Magnetismus undströmender Elektricität. Zu Complikationen giebt freilich der Sinn dieser Kräfteresp. ihrer Wirkungen Anlass; nach den elektromagnetischen Gesetzen müssteer wenigstens bei den positiv magnetischen Stoffen negativ sein, er ist abergerade für die stark magnetischen Stoffe Eisen und Kobalt positiv, und man

>) Strouhal u. Barus, Wied. Ann. 14, pag. 54. 1881. Bull. U. S. Geol. Surv. 1885.

2 ) Ewing, Trans. R. Soc. 1886 (2), pag. 361.

3 ) Bachmetjew, Wied. Ann. 43, pag. 723. 1891.

4 ) Grimaldi, Rend. Acc. Line. 1887, pag. 134; 1888, pag. 132; N. Cim. (3) 21,

pag. 57; 22, pag. 3. 1887.

5 ) Bidwell, Phil. Mag. (5) 17, pag. 250. 1884. Righi, Atti Acc, Line. 1884, pag. 331.