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III/1 (1895) [Elektricität und Magnetismus (II)] / unter Mitwirkung von Prof. Dr. F. Auerbach, Dr. E. Brodhun, Prof. Dr. F. Braun, Dr. S. Czapski, Dr. P. Drude, Prof. Dr. K. Exner, Prof. Dr. W. Feussner, Dr. L. Grätz, Prof. Dr. H. Kayser, Prof. Dr. F. Melde, Prof. Dr. A. Oberbeck, Prof. Dr. J. Pernet, Dr. F. Pockels, Dr. K. Pulfrich, Prof. Dr. Fr. Stenger, Dr. R. Straubel, Dr. K. Waitz ; herausgegeben von Dr. A. Winkelmann
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Induction.

Bei der Anwendung der Inductorien zu medicinischen Zwecken ist es er-forderlich, die den betreffenden Körpertheilen zuzuleitenden Ströme ihrerSpannung und Stärke nach innerhalb weiter Grenzen variiren zu können. Dies

leistet der von E.duBois-Reymond angegebeneSchlitteninductionsappa -rat (Fig. 212). Bei dem-selben ist die primäreSpirale an einem ver-tikalen Brett befestigt,während die secundäreSpirale,S 2 auf demGrund-brett des Apparats verschoben werden kann. Durch Entfernung von S x und S 2wird der Inductionsstrom geschwächt. Ein Gleiches kann auch dadurch bewirktwerden, dass der Eisenkern E aus .Sj mehr und mehr herausgezogen oder auchganz entfernt wird.

Die Unterbrechungsvorrichtung (der Wagner sehe Hammer), sowie die Zu-und Ableitungen sind in der Figur fortgelassen.

Ueber die Anwendung der Inductionsströme zu medicinischen Zweckenvergl. K. Alt und K. E. F. Schmidt, Taschenbuch der Elektrodiagnostik undElektrotherapie. Halle a. S. 1893 .

(P. 212.)

II. Aeltere theoretische Untersuchungen über die Induction.

A. Mathematische Theorie der Induction in geschlossenen Leitungen.

1) Anfänglich versuchteFARADAY 1 ) eine Erklärung der Inductionserscheinungendurch die Annahme zu geben, dass ein Leiter, welcher in ein magnetischesKraftfeld gebracht wird, in einen eigenthümlichen, den »elektrotonischen«Zustand versetzt wird. Das Entstehen und das Verschwinden desselben wäremit einer Bewegung der Elektricität verbunden. Faraday gab diese Vorstellungwieder auf, weil es ihm nicht gelang, weitere Kennzeichen dieses Zustandes andem Leiter zu entdecken 2 ). Um eine Anschauung von der Entstehung derInductionsströme und ihrer Richtung zu geben, geht er dann von der Vorstellungder magnetischen Kraftlinien aus, wie sie, zunächst bei einem Magnetstab, durchdie magnetischen Curven dargestellt werden. Inductionsströme entstehen, wennein Leiter durch diese Kraftlinien bewegt wird, im einen oder anderen Sinne jenach der Richtung der Bewegung. Auch die Induction durch Veränderung derIntensität eines Stromes leitet er aus dieser Vorstellung in der Weise ab, dassbei Entstehung eines Stromes in einem Draht von demselben kreisförmige Kraft-linien sich fortbewegen und umgekehrt beim Erlöschen in denselben zurück-kehren und dabei in beiden Fällen durch einen benachbarten Leiter hindurch-gehen.

Eine mathematische Bearbeitung fanden diese Vorstellungen damals nicht.Dagegen hat Cl. Maxwell dieselben dreissig Jahre später als Grundlage seinerTheorie der Induction verwerthet.

2) Das Verdienst, einen grossen Theil der Inductionserscheinungen zuerstauf einfache, allgemein gültige Principien zurückgeführt, insbesondere aber die-

t) M. Faraday, Exp. res. I. No. 6080.

a) Vergl. hierüber: Cl. Maxwell, Lehrbuch der Electricität und des Magnetismus, deutschvon Weinstein, 2, pag. 229.