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Induction.
In der Folge genügt es, eine derartige Kraft als wirksam vorauszusetzen. Diemathematische Theorie der periodischen Functionen lehrt nämlich, dass einebeliebige Function stets durch eine Summe einfacher Sinus- und Cosinusfunctionendargestellt werden kann. Ist daher die Berechnung der Stromstärke für deneinfacheren Fall ausgeführt, so erhält man dieselbe für die complicirteren Fälleals Summe ähnlich gestalteter Glieder. Hiernach werden die Werthe der Strom-stärke im Allgemeinen von der Form sein:
J = A sin
Wir bezeichnen T als Schwingunsdauer, A als Amplitude der elektri-schen Schwingung.
Häufig werden wir elektrische Schwingungen von gleicher Dauer zu ver-gleichen haben, welche sich dann noch in ihrer Amplitude und Phase unter-scheiden, also von der Form sind:
J = Als in
J' = A' sin
Ihr Phasenunterschied ist dann:
9 — 9 ■
Kehren wir zu den elektrischen Schwingungen zurück.
Zunächst giebt es Vorrichtungen, mit deren Hilfe man einfache Sinus-schwingungen hervorrufen kann.
Eine Drahtrolle rotire in einem homogenen Magnetfeld um eine Axe, welchenicht mit den Kraftlinien dieselbe Richtung hat. In diesem Fall ist die elektro-motorische Kraft eine Sinusfunction der Zeit. Rotirt z. B. eine Rolle, derenGesammtfläche F ist, um eine verticale Axe, so wird durch die Horizontal-componente eine elektromotorische Kraft:
F ■ H
inducirt.
Lässt man umgekehrt einen Magnetstab von geringer Länge im Innerneiner Multiplikatorrolle rotiren, so ist die elektromotorische Kraft annähernd einerSinusfunction proportional.
Eine derartige Vorrichtung benutzte zuerst W. Weber 1 ). Hierbei war derMagnet an der Axe einer Sirene befestigt, so dass die Umdrehungszahl aus demTon derselben entnommen werden konnte 2 ). Im Anschluss hieran construirteF. Kohlrausch 3 ) einen besonderen Apparat — den Sinusinductor —, beiwelchem der Magnet durch ein Räderwerk mit Treibgewicht in schnelle Rotationversetzt wird.
Die secundäre Rolle eines Inductoriums liefert Wechselströme, jedoch sinddieselben nicht einfach periodisch. Ebenso wenig ist dies bei den Strömen desTelephons und Mikrophons der Fall, wenn dieselben durch Schallschwingungenerregt werden.
Endlich sind die Wechselstrommaschinen periodische Stromquellen, welchewohl nahezu dem Sinusgesetz folgen.
*) W. Weber, Maassbest., 5, Abh. d. K. s'ächs. Gesellsch. d. Wissensch. 6, pag. 573—716
1864.
3 ) Vergl. F. Kohlrausch, Pogg. Ann. 138, pag. 285. 1869.
3 ) F. Kohlrausch, Pogg. Ann. Jubelbd., pag. 290—303. 1874.