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Technische Anwendungen der Induction.
man gleichzeitig durch den Anker und die Feldmagnete leitet. Doch tretendabei sehr starke Funken an dem Collector auf 1 ).
Ferner hat die Firma Ganz & Co. 2 ) einen Motor construirt, bei welchemdurch den Anker und durch die Windungen der Feldmagnete Wechselstromgeschickt wird. Doch wird mit Hilfe eines rotirenden Commentators bewirkt,das der Strom die Elektromagnete stets in derselben Richtung durchläuft.Durch eine besondere Vorrichtung wird die Funkenbildung an dem Commutatorvermieden. Dieser Motor geht leicht an und steigert seine Geschwindigkeit,bis er mit dem Generator synchron läuft. Immerhin stehen die beschriebenenWechselstrommotoren an Einfachheit und Sicherheit des Betriebes den Gleich-strommotoren nach. Es ist daher für die Ausdehnung und Entwickelung derelektrischen Kraftübertragung von grosser Bedeutung, dass in neuester Zeit einMotor construirt wurde, welcher zwar auch durch Wechselstrom betrieben wird,sich aber principiell von den früheren Wechselstrommotoren unterscheidet undden Gleichstrommotoren in jeder Beziehung an Brauchbarkeit gleichsteht. Daderselbe andererseits auch besondere Anordnungen bei dem Generator erfordert,so wollen wir ihn in einem besonderen Abschnitt behandeln.
L. Mehrphasenströme. Drehströme. Drehstrommotor.
Bei diesen Motoren wird der Anker nach einer Methode in Drehung ver-setzt, deren Grundgedanke von G. Ferraris 3 ) herrührt.
Zwei verticale Stromkreise (Fig. 297) von quadratischer Form sind so auf-gestellt, dass ihre Mittelpunkte zusammenfallen, ihre Ebenen senkrecht zu einander
stehen. Wird durch den Kreis I ein Strom geleitet,so ist die elektromagnetische Wirkung im Mittelpunktsenkrecht zur Ebene der Strombahn. Ein Gleichesgilt von dem zweiten Strom. Bei gleichzeitiger Wir-kung beider Ströme setzen sich daher die beidenKräfte zu einer Resultante zusammen, welche beiGleichheit der Intensität mit den beiden Normalenderselben Winkel von 45° bildet. Ist der eine odersind beide Ströme von veränderlicher Stärke, so ändertdemnach die Resultante der elektromagnetischen Kraftnicht allein ihre Grösse, sondern auch ihre Richtung.Leitet man durch beide Stromkreise Wechselströmevon gleicher Schwingungszahl, aber von verschiedenerPhase, so dreht sich die Resultante mit gleichzeitig veränderlicher Stärke um360®. Stellt man die elektromagnetische Kraft durch eine gerade Linie AB dar,wo A der Angriffspunkt der Kraft ist, so beschreibt Punkt B eine Ellipse. Damitdieselbe zu einem Kreis wird, ist es nothwendig, dass die Amplituden der beidenStromschwingungen einander gleich sind und dass der Phasenunterschied 90°beträgt. In diesem Fall behält also die elektromagnetische Kraft stets dieselbeStärke, dreht sich aber mit gleichbleibender Winkelgeschwindigkeit.
Ferraris erreichte dies dadurch, dass er durch den einen Stromkreis denStrom einer Wechselstrommaschine gehen liess, und denselben Strom durch die
*) Vergl. A. du Bois-Keymond, elektrot. Zeitschr. io, pag. i —12. 1889.
2 ) Elektrot. Zeitschr. 11, pag. 158—159. 1890.
3 ) G. Ferraris, Atti della R. Accademia delle scienze die Torino 23, pag. 360. 1888;Elektrot. Zeitschr. 9, pag. 568. 1888.
(P. 297.)