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dass er, so oft er hörte, der alternde Rudolph habe eine neue Falteauf die Stirne bekommen, auch sogleich, um sich selbst zu über-zeugen, ihm nachreiste, und sodann, nach seiner Heimkehr, dieFalte seinem Bilde getreulich eingrub — wie heute noch am Grab-steine zu sehen.
Unter den Römern hiess die Stadt Nemetis und Cicitas August aNemetum , der umliegende Gau aber: Nemetes. Vom VI. bis IX.Jahrhundert, erscheint sie unter den Namen Ciritas Nemetensis,Noviomagvm , Nemidona und Spirea. Die lezte Benennung bliebihr von da an, und Spira — Speyer — ist ihr ältester Name imMittelalter obwohl man nichts Näheres über dessen Bedeutungweiss. Wahrscheinlich verdankt die Stadt diesen Namen dem, anihrer nordöstlichen Spizze in den Rhein mündenden, Flüsschen dieSpeyer , so wie ebenfalls andere, an dem Speyerbache gegenWesten gelegene, Orte: Speyerdorf, Hochspeyer und das, imXI. Jahrhundert durch Bischof Hutzhann in die Mauern der jezzi-gen Stadt gezogene, Dorf Altspeyer.
Im V. Jahrhundert wurde Speyer , gleich anderen Städten amRheine, durch die Vandalen und Hunnen zu wiederholten Malengeplündert und zerstört. Leztere sollen unter den damaligen Be-wohnern, die sich in den Dom geflüchtet, ein solches Gemezzelangerichtet haben, dass ein Blntstroin aus den Chören durch dasSchiff herabfloss. Unter der Herrschaft der Alemannen bliebSpeyer ein Schutthaufen 5 aber zur Frankenzeit erhob es sich wie-der und wurde Hauptort des Speyer-Gaues. Dagobert bestä-tigte der Stadt ihr Münzrecht, erbaute den Dom an ihrem östlichenEnde, wo zur Römerzeit der Venns-Altar und Tempel stand, underrichtete ausserhalb ihrer Thore, auf der Stelle eines Merkur-Tempels, das St. Germans-Stift. In seiner Pfalz zu Speyerweilte Karl der Grosse um 775 mit seiner Gemahlin Hildegardund den drei Söhnen Karl, Pipin und Ludwig dem, Frommen.Karl’s Sohn verlegte 838 den Reichstag von Frankfurt nachSpeyer. In dem berühmten, zu Verdun (843) von dessen Söhnenabgeschlossenen, Tlieilungs-Vertrage bildete Speyer einen eigenenArtikel; es fiel nämlich mit Worms und Mainz Ludwig demDeutschen zu, und gehörte von da an zu Deutschland, weilseinGau in Deutschland der Einzige war, der damals Weinbau trieb.Im folgenden Jahrhundert — so erzählt die, durch Uiiland’s Dich-tung bekannter gewordene Sage — veranstaltete Kaiser Otto I.,der häufig sein Hoflager in Speyer hatte, ein glänzendes Turnierdaselbst. Während des Festes sollten dieäT. rgen der geladenenGrafen von Eberstein überfallen werden. ’ Einer von ihnen erfuhr