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Fremdenbuch für Heidelberg und die Umgegend / von K.C. Leonhard
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Goldes, denn die Speyerer waren den Hohenstauffen eben so treuund hold, wie sie es dem Oheim, Heinrich V. und dessen Vä-tern, gewesen waren. In dem Kriege zwischen dem SchwabenKonrad und Lothar dem Sachsen um die Königskrone trat Speyerauf des Ersteren Seite und musste, zwischen 1127 und 1130?mehrere Belagerungen und Einnahmen durch Feindeshand ertragen.Als das Ansehen der Hohenstaufen, welche in ihrer schönen Zeitin Speyer viele Hoftage und Reichs-Versammlungen hielten, inDeutschland gänzlich verfallen war, und der unbeschränkte Adel,aus altem Stolze und aus Eifersucht, die aufbliihenden freien Städtesehr bedrängte durch Strassenraub und Einfälle in ihre Güter,suchten diese, durch Bündnisse unter einander, sich selbst denSchuz zu gewähren, welchen des Reiches Oberhaupt zu leistennicht mehr die Kraft hatte. So entstand 1247 der RheinischeStädtebund, zu dessen Stiftern auch Speyer gehörte. In derKai-serlosen, schrecklichen Zeit des Zwischen-Reiches züchtigte dieStadt den Uebermuth der umliegenden Raub-Ritter durch Aus-brennen ihrer Burgen, und trieb die unruhigen Adelichen, welcheselbst in ihrem Inneren Meuterei und Plünderung der Bürger zuversuchen die Frechheit hatten, auf ewig aus ihren Ring-Mauern.Als König Rudolph den lange verwaisten Thron bestieg, unter-stiizte er den Eifer der Stadt für Recht und Sicherheit, und brachmit ihnen den Fleckenstein. Die Speyerer bestanden auf dem altenPrivilegium, dass keine Burg auf drei Meilen in der Runde umihre Stadt bestehen durfte. In der Zwietracht zwischen demOesterreicher Albrecht und Adolph von Nassau halfen sie demLezteren und schlugen mit ihm die unglückliche Schlacht vonGöllheim (1298), in welcher er Reich und Leben verlor. Späterschwankte die Gunst der Bürger zwischen Ludwig dem Baier undFriedrich von Oesterreich. Des Ersteren Versprechungen undder frühere Bund der Sladt mit dem Pfalz - Baierischen Hause ge-wannen ihn die Speyerer. Ludwig und der Erzbischof von Mainzversprachen der Stadt kräftigen Schuz und vermehrten ihre Privi-legien. Darüber aufgebracht umlagerten die Brüder Friedrichund Leopold von Oesterreich unsere Stadt mit einem so gewalti-gen Heere, dass die Banner von 60 Herren und 89 Städten feind-lich vor Speyer wehten. Man schlug sich mehrmals unter denMauern mit grösster Erbitterung, Kaiser Ludwig wurde sogar(1315) auf den Juden - Kirchhof zurückgedrängt; allein dieSpeyerer wiesen zulezt jeden Angriff ab, und die Oesterreichermussten nach langer Dauer endlich abziehen, Verwüstung und Zer-