321
Manche Thatsaclien, den Prachtbau betreffend, finden sich schonim Vorhergehenden erwähnt; das ITebrige haben wir nachzutragen.
Unter den Fränkischen Königen erhob sich auch in der, wäh-rend der Stürme der Volker-Wanderung gefallenen, Nemeter-Stadteine Kathedrale. In dieser mag wohl der Siz jenes Bischofs ge-standen haben, von dem schon das Nibelungen - Lied aus derZeit der Burgundionen Meldung that. Dagobert erbaute denDom an dem Orte, wo vormals ein unansehnliches Bethausstand, und wo, wie erzählt wird, in noch früherer Zeit die Rö-mer einen Tempel hatten. Konrad II. — genannt der Salierund Speyerer — fasste 1027 den Entschluss, auf der Stelle desDAGOBERT’schen Tempels einen neuen, eines Kaisers würdigen,Dom im byzantinischen Style mit Rundbogen aufzuführen. Diesechs hohen Thürme und Kuppeln, die kolossalen Gewölbe undHallen, die weite, tiefe Krypta— eine unterirrdische Kirche,worin während der Charwoehe bei schwarz behangenen Wändenund bei Fackelschein die Feier von des Herrn Leiden und Tod be-gangen wurde — und die Bildhauer-Arbeiten machten diesen Dombald so berühmt, dass die Alten von ihm sangen und sagten, wie voneinem Wunder der Welt. — Konrad wurde in dem von ihm er-bauten Königs-Chor fl039) begraben, ehe noch der Dom vollendetwar. Er wollte, dass alle seine Nachfolger im Reiche, welchediesseits der Alpen stürben, ohne sich ein besonderes Grab bestimmtzu haben, im Münster zu Speyer bestattet würden. Diesen Kai-serlichen Wunsch liest man jezt noch über dem Eingänge zurSacristei: Conrado II. , t/ui harte Deo sacram fundavit. Aedemac sibi suisque successoribus cis Alpes reliquit Sepulturam.
, Salus. — Der Kaiser stiftete auch in das neue Münster eine eigeneBrüderschaft— die Stuhlbrüder. „Zwölf Männer", so lauteteder Sinn seiner Verordnung, „sollen jeden Tag sieben Mal zu densieben Tageszeiten, im geistlichen Kleide, mit weissen Hauben,schwarzer Kappe und schwarzem ledernem Chorhute ins Münsterkommen, und neben den Gräbern der Kaiser, in ihren besonderenStühlen sizzend, zweihundert Paternoster und Ave beten.” Kon-RAü’sSohn, Heinrich III. führte den Dombau fort; allein erst derEnkel, Heinrich IV., vollendete ihn 1061. — Von da au sah derDom manche merkwürdige Ereignisse in seinen Mauern, Reichs-Versammlungen, Fürstentage und gekrönte Hoflager. Im Jahre1111 erklärte Heinrich V. im Dome die Stadt Speyer feierlich zueiner freien Stadt. Im Jahre 1130 zog Lothar am Dreikönigs-Tage, nach Eroberung der Stadt, im Triumphe zum Münster. ImDome predigte 1146 der h. Bernhard einen Kreuzzug. König -Leonhard, Fremdenbuch. 21