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Fremdenbuch für Heidelberg und die Umgegend / von K.C. Leonhard
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Konrad UI. war durch dos Abtes Worte so gerührt, dass er inThriinen ausbrach, mit vielen Fürsten das Kreuz nahm, den 'frommen Kreuz-Prediger auf seinen Schultern durch das Gewühlaus der Kirche trug und ihn ehrfurchtsvoll in die Herberge beglei-tete, wo er abgetreten war. Mehrmals traf jedoch auch dieAltäre des Domes das Interdikt, wenn die, mit dem Stadtrathehadernde, Geistlichkeit ans Speyer zog, und nur, nach der Ver-sühnung, wieder heimkehrte. Hischof Erich von Leininyen hiebsogar (1315) das grosse Thor des Münsters mit Aexteu und Sturm-balken, unter Trompeten-Klang und Trommel-Schlag, gewaltsamein, und nahm , seinen Gegnern zum Trozze, von Rittern und Rei-sigen begleitet, Besiz vom Bischofstuhle. Im Chore des Mün-sters feierten Grmvie der Baier und Bischof Bertiiolu von Stras-biirtj ihre Versöhnung nach langem Kampfe (1339). VomThurrne des Domes liess Kart. IV. seine Sturmfahne wehen, als er imit den Speyerern die Burg Neuhofen , den Aufenthalt mordbren-nerischer Raubritter, zerstörte (1349). Im Jahre 1289 erlittder Dom einen starken Brand. Man sammelte Beiträge zum Wie-der-Aufbau, und es kamen 17,500 Gulden in Geld und 2500Gulden in Kleinodien zusammen. Im Jahre 1450 verlöthete ein jOrgelmeister die schadhaften Pfeifen und liess,weil er den Tag )über des Weines nicht gespart batte' 1 am Abend brennende Kohlenin das Gebälk und Gehäuse der Orgel fallen. Dadurch gerieth der !Dom in Brand, und das gan£e Gebäude ward ein Raub der Flam- 1men. Das Blei, womit das Dach gedeckt war, und die Glockenschmolzen in solcher Glüht, dass das Metall die Strasse hinablloss.Viel Mauerwerk musste neu aufgeführt werden. Nur die beidenspizzen Thürme, die östliche Kuppel und das Rund-Chor nach Mor-gen sind, mit einigen anderen Mauerresten, die Ueberbleibsel desuralten Domes.

Der Wunsch des ersten Erbauers, dass der Dora ein Kaiser-Grab werden sollte, wurde von Konrad's Nachfolgern geehrt underfüllt. Man senkte während dritthalb hundert Jahren acht Rö-misch-Deutsche Kaiser, drei Kaiserinnen und eine Königs-Toch-ter im Königs-Chore hinab. Die Gräber liegen über der erstenTreppe, die vom Schiffe zu den Chören hinaufführt, in zweiReihen, mit gehauenen Steinplatten ausgemauert, zwölf Fusstief unter dem Boden, quer durch den Chor. Dahin wurdendenn die Kaiser, wie sie starben, der Reihe nach begraben. Indie erste Reihe, gegen den Hochaltar zu, die vier Kaiser des Sa-lischen Stammes Konrad II., Heinrich III., Heinrich IV-, undendlich mit Schild und Helm, des Hauses Lezter, Heinrich V.